Donnerstag, 23. Januar 2014

Rezension: Lisa O'Donnel * Bienensterben




Broschiert: 319 Seiten
Verlag: DUMONT Verlag
ISBN-13: 978-3832197285
Preis: 16,99 EUR
E-Book: 13,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Oktober 2013


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Inhalt: 
Glasgow. Winter. Eugene Doyle liegt tot in seinem Bett. Izzy Macdonald hat sich im Schuppen erhängt. Beide hinterlassen ihre zwei Töchter, Marnie  fünfzehn und Nelly zwölf. Was sollen sie tun? Für die zwei Mädchen steht fest, sie wollen nicht zur Jugendfürsorge und getrennt werden, wollen sie auch nicht. Denn wer hat Gene umgebracht? Also beschließen sie, ihre toten Eltern im Garten zu vergraben. Natürlich ist das nicht so einfach, bei gefroren Boden und einen Nachbars Hund, der die Leichen immer ausbuddeln will. Außerdem wird das Geld knapper und Marnie verliert auch noch ihren Job als Gelegenheitsdealerin. Da kommt es ganz passend das Lennie ihr Nachbar, mit prekärem Ruf, sich ihrer annimmt. Natürlich riecht er das bei den Beiden, was nicht stimmt, ist aber einfach nur glücklich den beiden eine Art zu Hause geben zu können. Aber die Fragen nach dem Verschwinden der Eltern wird immer lauter und das Lügengerüst fängt immer mehr an, zu bröckeln. Wird alles auffliegen? Und was wird ans Tageslicht kommen?

Meinung:

Dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen. Das Schicksal der beiden Schwestern ist so erschreckend, hilflos und traurig. Eigentlich wünscht sich doch jeder ein warmes Heim, wo man geliebt wird, aber diese Zwei müssen viel mitmachen. Ihre Eltern sind drogen- und alkoholsüchtig, leben in den Tag hinein und interessieren sich nicht für ihre Kinder. Erst nach und nach erfahren wir, was die beiden noch  durch Machen mussten.
Erzählt wird die Geschichte aus drei Sichten. Die Erste ist Marnie, die älteste Schwester, sie berichtet trocken, mit viel Sarkasmus und schon ein bisschen vulgär von den Tatsachen des Alltags. Dabei ist sie ein sehr kluges Mädchen, die mit dem Schulstoff keine Probleme hat. Aber ihr Umfeld und ihr Teilzeitjob als Dealerin tun ihr übriges dazu bei. Außerdem musste sie schnell erwachsen werden, um sich und ihre Schwester zu kümmern. Sie spielt oft die ganz Große und cool, ist unbeugsam und sturköpfig und lässt ungern jemanden an sich heran. Aber wehe, wenn jemand die Schutzsicht durchbricht, der wird ein verletztes Mädchen vorfinden. Dann haben wir Nelly, die kleine Schwester, die allein schon durch ihre Ausdrucksweise auffällt. Sie flüchtet sich oft in einer Welt, die aus Geigenspielen und Happy End Filmen besteht. Durch das Auftreten von Nelly hat man oft das Gefühl ein altkluges Kind vor sich zu haben, die immer alles besser wissen muss, aber damit nicht immer richtig liegt. Sie versprüht im ganzen Roman diese Unschuld aus früheren Zeiten. Zum Schluss kommt noch Lennie, der Nachbar, der mit Schikanen und einen verstecken Leben als Homosexueller leben musste. Auch sein Leben berührt einen sehr und ist doch auch sehr überrascht, wie viel er diesen Mädchen zu geben hat. Durch ihn bekommen die Zwei eine Art zu Hause und merken schnell, dass es ein Heim mit Liebe geben kann.
Diese drei total verschiedenen Menschen passen auf den ersten Blick nicht zusammen, aber ihre Suche nach Schutz, Liebe und Geborgenheit, führt sie zueinander. Man liest wie sie füreinander einstehen, und wie sie sich helfen. Das macht das Schreckliche an dem Erlebten nicht weg, aber es versöhnt.
So erleben wir Schockierendes in einem sozial kritischen Umfeld, was einem sprachlos macht und nur durch den schwarzen Humor der Autorin ertragbar gemacht wird. Aber sie lässt auch noch ein bisschen Hoffnung zurück, das es Menschen gibt die Helfen. Ein Roman über die traurige Seite der Menschlichkeit und den Suchen nach Liebe und Geborgenheit.


Henry und ich sind von dem außergewöhnlichen Debütroman der Autorin total überrascht wurden und vergeben die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:

Lisa O’Donnell wurde mit dem Orange Screenwriting Prize für ihr Drehbuch ›The Wedding Gift‹ ausgezeichnet. Sie lebt mit ihren zwei Kindern in Los Angeles. ›Bienensterben‹ ist ihr erster Roman.

Quelle: DUMONT Verlag

Kommentare:

  1. Ich finde das Cover der deutschen Ausgabe toll, aber die englische gefällt mir trotzdem noch besser. Das Buch steht schon lange auf meinem Wunschzettel, aber momentan ist mir nicht so nach sehr deprimierenden Büchern. "Es wird keine Helden geben" war ja schon so bedrückend, "The Bone Season" hat auch eher einen negativen Grundton gehabt und auch mein aktuelles Buch ist heftig. Als nächstes brauch ich wohl ne schöne Liebesgeschichte :-) Aber danke, dass du mir trotzdem wieder Lust auf das Buch gemacht hast!

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    1. Hallo Friedelchen,

      das Cover der englischen Ausgabe ist auch nicht schlecht und spiegelt mehr den Anfang wieder ...lach... Es ist eine schockierende und traurige Geschichte, aber trotzdem gibt es dort auch Licht und du solltest es wirklich lesen :-) Aber du hast natürlich recht, Abwechslung muss sein!! Also gönn dir mal was Schönes :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  2. Oh je da gehen unsere Meinungen wirklich weit auseinander. Mir war das ganze einfach zu überspitzt und unrealistisch. Für mich gab es wenig Anreiz/Spannung, weiter zu lesen.
    Ja, Lennie fand ich wirklich toll, vor allem was er alles für die Mädchen getan hat. Aber irgendwann kamen mehrere unrealistische Szenen nacheinander, vor allem zum Ende hin, dass es mir einfach zu viel war.
    Geschmäcker sind nun mal verschieden und das ist auch gut so^^

    Liebe Grüße, Katja :)

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    1. Hallo liebe Katja,

      klar, Geschmäcker müssen verschieden sein, sonst wäre es auf den Buchmarkt langweilig :-)
      Mir hatte gerade gut gefallen das es so überzogen war und unrealistisch, obwohl ich mich noch nie mit solchen Sozialbrennpunkten beschäftigt hatte. Aber wissen wir wirklich was sich dort hinter verborgenen Türen abspielt? Wo keiner sich darum kümmert... Gesetz und Hilfe den ohnmächtig gegenüberstehen!!! Aber gut, das geht jetzt zu weit ..lach..
      Mich hatte der Erzählstil und das Schicksal der beiden Mädchen so gefesselt, das ich das Buch gar nicht aus den Händen legen konnte ... Wie geht es weiter? Was haben sie noch mitgemacht? Wohin soll ihre Reise noch gehen? Und dieser Großvater ....seufz...
      Lennie ist glaube ich das Licht im Buch und ich fand das geschehene zum Ende passte ganz gut...
      Aber schön das du dich trotz, des nicht gefallens, durch gekämpft hast :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  3. Hallo Inga.
    Ein sehr ansprechendes Thema. Dies zumal in Zeiten britischer Sozialkälte. Der Roman zeigt auf, daß Humanismus nicht viel mit der gesellschaftlicher Stellung zu tun haben muß. Ob das Herz verdörrt oder schlägt, ist keine Frage des Kontostands.
    Bevor ich den Thatcherismus auseinander schraube... :-)

    Von Ian McEwan gibt es ein ähnlich gelagertes Buch: "Der Zementgarten".
    Einmal kein Filmverweis von mir! * :-D

    Für den Sommer erwartet uns nun die Adaption von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter".

    bonté

    * obschon es auch hier einen Film gibt

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    1. Huhu Robert,

      mir hat der Roman echt gut gefallen und die Thematik war wirklich schockierend. Aber durch den schwarzen Humor und die abwechselden Erzählstränge konnte man es nicht aus den Händen legen. Aber deine Worte treffen auch den Nagel auf den Kopf :-) Wie immer ...lach...

      Von Ian McEwan habe ich den "Der Trost von Fremden" gelesen und "Abbitte" liegt auch noch hier... Ein Autor der einen auch geschockt zurück lässt und uns die Abgründe der Menschen aufzeigt ... Kein Flimverweis??? Das Schockt mich auch ...lach... Bitte noch nachholen :-)

      Ob ich mir das allerdings antue ... ich hab ja noch nicht mal das Buch gelesen, du?

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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    2. ...nope! Ich bin auch bei diesem Titel filmisch vorgeprägt worden. :-)
      Habe ich von 'Abbitte' - dem Film - bereits ausgiebig geschwärmt?!

      bonté

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    3. ...nein, du hast den Film noch nicht mal erwähnt ...lach... also ich warte!!! Wo bleibt die Schwärmeinlage :-) Du bist vorgeprägt??? Du hast also das Buch gelesen?? Magst du solche Bücher???

      Bye
      Sharon

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    4. ...'Abbitte' sprengt bereits durch Struktur & Aufbau der Geschichte(n) den Rahmen der eigenen Erwartungen daran. Ziseliert quasi Taten und die Konsequenzen daraus, wie die Motive eines jeden Charakters.
      "Wir sind was wir tun, sagt die Gesellschaft gern & allgemein. Aber nicht selten sind wir, was andere von uns halten."
      (Myrelle Minotier)
      Wohlbemerkt, ich schreibe hier "nur" über die Verfilmung. Nicht die Vorlage.
      Definitiv großes Kino!
      Keira Knightley, Juno Temple & Saoirse Ronan offenbaren wiederum einmal, daß Schauspieler die Faszination der Kunst "Film" ausmachen. Miss Ronan hatte mich nach nicht einmal iner Minute in den Bann des schwierigen Charakters der jungen Briony geschlagen.

      Ich mag eigentlich generell gute Bücher! Gute Filme, Musik, Gemälde... :-)

      bonté

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    5. Huhu nochmal,

      und was trinkt der Mann von Welt dazu??? Bücher, Filme, Musik und Gemälde mag ich auch ...lach... Was für eine Musikrichtung???

      Abbitte habe ich noch nicht gesehen, aber du verlierst gar kein Wort über James McAvoy?? Hat das einen Grund ... Ich fand damals den Trailer so toll und hab mir deshalb das Buch gekauft, aber du kennst doch das Zeitproblem ...lach...

      So jetzt aber... einen schönen Abend
      Inga

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    6. ...I'd prefer some tea..
      Musik!? Wo sollte ich da nur anfangen zu überblicken. :-)
      Good old punk. Wave, Gothic, Psychedelic. Damen an Piano, Cembalo, Gitarre, Bass. Kate Bush natürlich. Progressiv Rock. Pop-Perlen der 80er (Men Without Hats-Kategorie). Die Riot Girls-Ecke. Was Wunder - Filmscores. Hier besonders die eines Thomas Newman. Klassik (nicht allzu die Klassische) oder wohltemperierten Jazz.
      Im Gegensatz zur Moderne ist mein Archiv handfest auf Venyl, Tape & CD verteilt.

      Mr. McAvoy habe ich in der Aufzählung der talentierten Mädels nur verschwitzt. Der Gute spielt astrein!
      Nun, das Zeitproblem offenbart sich für mich von der exakt anderen Seite her; ich sehe eher den Film, finde aber wenig Zeit für die Vorlage.

      bonté

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    7. Hallo lieber Robert,

      eine hervorragende Wahl! Ich liebe Tee, ich sollte nur mehr davon zu Hause trinken :-)

      Was habe ich den da losgetretten, mit der Musik ... Also hörst du einfach quer beet! Genau wie ich und das ist doch super. Bei mir ist es momentan Jazz, ich liebe es einfach und es beruhit mich gerade sehr schön. Die Spanbreite ist da aber auch riesig :-) Übrigens besitzen wir auch einen Plattenspieler und geniessen die schönen Klänge. Allerdingst ist unsere Plattensammlung noch sehr klein ... Außerdem haben wir jede Menge CD's ....

      Haha, bei mir ist es genau anders, ich lese das Buch und verpass den Film ..

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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