Donnerstag, 19. März 2015

Rezension: J.K. Rowling * Ein plötzlicher Todesfall


Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Carlsen   
ISBN-13: 978-3551588883
Preis: 24,90 EUR
E-Book: 9,99 EUR 
Reihe: 1/1  
Erscheinungsdatum: September 2012



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Inhalt:
Barry Fairbrother ist auf dem Weg mit seiner Frau Essen zu gehen, denn es ist ihr Hochzeitstag, als er auf dem Parkplatz tot zusammenbricht. Die ganze Kleinstadt ist in Aufruhr und alle sind bestürzt. Barry‘s früher Tod lässt eine große Lücke in der Gemeinde zurück, aber natürlich entwächst auch ein großer Wettkampf um den freien Platz im Gemeinderat. Jetzt heißt es jeder gegen jeden, es wird getratscht, Unwahrheiten in Umlauf gebracht und hoch gepokert. So manche Familie hat darunter zu leiden, aber auch die Gemeinde kämpft um Zusammenhalt und Glaubwürdigkeit nach außen. Wer wird den leeren Platz bekommen? Wer wird sich durchsetzen? Und wer wird verlieren? Eine verträumte Kleinstadt liegt in Krieg und ahnt noch gar nicht, was noch auf sie zukommt.

Meinung:
Das ist also J.K. Rowlings erster Roman für Erwachsene und ich bin sehr überrascht. Ich wusste ja zu Beginn schon, dass er sehr für unterschiedliche Meinungen gesorgt hat und diese eher negativer ausgefallen sind, als erwartet. Ich muss auch gestehen, dass ich erst mal sehr verwundert war und den Schreibstil der Autorin aus den Harry Potter Büchern gesucht habe. Immerhin hat sie mit der Reihe für jede Menge Fantasy, Spannung und Überraschung gesorgt, naja, Überraschungen bekommen wir hier auch. Allerdings muss man bei dieser Geschichte sagen, lässt sie sich Zeit, zu erzählen und so wirkt die Geschichte oft sehr langatmig. Ich glaube auch, das viele gar nicht mit einem sozial kritischen Gesellschaftsroman gerechnet hatten und so einfach enttäuscht waren. Denn hier liegt der Schwerpunkt bei den Menschen, die Tiefen, die Abgründe, das Böse in uns und das ist oft nicht so schnell zu entdecken und muss sich durch Situationen erzählt werden. Auch ist sehr auffällig, was ihre Sprachwahl angeht, wenn ihn Harry Potter ja alles sehr ordnungsgemäß erzählt wird, greift sie hier gern auch mal zu derben Wörtern und ich hatte das Gefühl, sie muss sieben Bände aufholen, um sich endlich auch mal so austoben zu können. Versteht mich nicht falsch, es war für die jeweilige Person passend und hat das alles perfekt unterstrichen, aber eben doch erst etwas gewöhnungsbedürftig, wenn sie direkt mit der Beschreibung unterhalb der Gürtellinie anfängt. 
Hier spiegelt Rowling also ein nach außen idyllisches Städtchen wieder, jeder kennt jeden, alle sind gut Kind und führen erfülltest Familienleben. Aber ist dem so wirklich? Hier schlägt die Autorin zu, wir haben hier in der Geschichte wirklich alles drin, frustrierte Ehefrauen, Gewalt in der Familie, Sehnsüchte, Männer mit Schwächen, Moralapostel und Drogensüchtige. Dazu kommt auch noch, das nicht nur von den Erwachsenen Problemen gesprochen wird, sondern wir bekommen einen Querschnitt aus allen Generationen, die Jugend bekommt so auch eine Stimme und ihre Probleme werden in Worte gefasst, unerfüllte Liebe, keine Anerkennung, Überlegenheitsgefühle und natürlich auch die Opfer einer Schicht, die schon immer vorverurteilt waren. So spinnt sie an allen Ecken und Enden ihrer Geschichte, lässt sie langsam entstehen und verknüpft Seite um Seite die Personen miteinander. So erleben wir arm gegen reich, Frauen gegen Männer, Kinder gegen Erwachsene, einfach der Kampf um alles oder nichts. Diese Stadt hat eine schöne Fassade, aber es brodelt ganz gewaltig darunter.
Ich persönlich fand das J.K. Rowling ihre Sache hier richtig gut gemacht hat. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund und zeigt auf die grausame Wahrheit unserer Gesellschaft, die Reichen möchten reicher werden und die Armen werden immer um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen. Dann kommen noch die Gedanken dazu, was wird der Nachbar denken und wie kann ich diesen einem etwas reinwürgen, ohne das er das mitbekommt. Wir alle kennen es und wir verschließen davor gern die Augen, viele Probleme hier haben wir selber und manche hören wir ständig in den Nachrichten. Für mich hat sich Rowling hier in eine Reihe von Autoren eingereiht, die schon vor ihr ein Gesellschaftsbild abgeliefert hatten, was entsetzt und wachrüttelt und einen sagen lässt, leider ist es so. Ich habe früher schon gern so was gelesen und bin hier auch nicht enttäuscht wurden, bis auf kleine Längen finde ich es lesenswert.
 
Henry und ich waren zuerst sehr überrascht, aber uns konnte es fesseln und so gibt es vier Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:

  
Als Joanne K. Rowling 1997 den ersten Harry-Potter-Band veröffentlichte, kannte niemand ihren Namen. Heute ist sie die weltweit wohl erfolgreichste Schriftstellerin. Ihre Bücher wurden über 450 Millionen Mal verkauft und in 77 Sprachen übersetzt.
Joanne K. Rowling lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Schottland.


Quelle: Carlsen Verlag

Kommentare:

  1. Hey,
    mir hat das Buch auch richtig gut gefallen! Ich glaube auch, dass die negativen Stimmen eher daher kommen, dass man solch ein Buch nun nicht unbedingt von Rowling erwartet hat...

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Hallo liebe Anna,

      das freut mich riesig zu hören, das es auch dir gefallen hat, war ja wirklich sehr zerrissen die Meinungen dazu, aber ich glaube auch, das es die Andersartigkeit war ... was ich mich allerdings immer frage, was haben sie den erwartet?

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  2. Hyvää päivää, Inga.
    Mir verwunderlich, daß Leser davon überrascht werden, wenn in einem neuen Roman von Miss Rowling nicht ein Harry Potter-Erbe zu finden ist. Lesen die Leute keine Backcover, Kritiken oder reden miteinander!? Andere Bücher bergen mitunter neue Leseerfahrungen - denke ich.

    Der von Dir angeführte Erzählstil kommt der Thematik wie der Intension der Autorin definitiv entgegen. Einem Fremden offenbaren sich die Strukturen einer (Dorf-)Gemeinschaft ja auch erst mit der Dauer der Beschäftigung damit. Jede Perspektive für sich.

    Vermutlich hätte ich bei der Lektüre permanent die Grafschaft Midsomer vor dem Auge. ;-)

    Eine interessierend geschriebene Rezi. Macht hübsch neugierig.

    bonté

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    1. Hallo lieber Robert,

      mir scheint du hast schon Urlaub? Oder warum erreichen mich so schöne Kommentare über den Tag! Oder hast du mich so vermisst, über die Messe ...lach...

      Ich freu mich gerade wie ein Honigkuchenpferd über dein Lob! Eine Rezension die neugierig macht, ...ach... ist das schön ;-) Und du hast das wieder wunderbar zusammengefasst, was ich sagen wollte, was mir zeigt, ich habe es getan ...lach... Ich war leider noch nie in England, aber ich sollte das irgendwann mal ändern ...hihi...

      Hab eine schöne Zeit
      Inga

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    2. ...ich genieße die Tage den Resturlaub vom letzten Jahr! :-D
      Zum Ersten trete ich dann meine neue Arbeitsstelle an.

      Besides - always at your service, Madame!

      bonté

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    3. Huhu lieber Robert,

      dann geniesse mal deinen Urlaub in vollen Zügen und die schöne freie Zeit :-)
      Dann kannst du wenigstens gut durchstarten und ich drücke die Daumen, aber das weiß du ja ...hihi...

      Schönen Abend
      Inga

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  3. Hi Inga ;-)
    Da bin ich ja erleichtert, dass dir das Buch gut gefallen hat. Ich habe es hier bei mir auch noch stehen und habe mich aufgrund der unterschiedlichen Meinungen dazu bisher noch nicht dran getraut. Ich bin mal gespannt, ob es mir auch gefallen wird ;)
    Alles Liebe,
    Anna

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    1. Hallo liebe Anna,

      ich habe mich ran gewagt und musste wirklich erst mal einen Schalter umlegen, aber wenn man das kann, ist es wirklich ein tolles Gesellschaftsbild und man merkt Rowling an, wovon sie schreibt. Ich fand es richtig gut und du brauchst keine Angst davor haben .... es lohnt sich, da mal reinzulesen, aber habe Zeit dazu :-)

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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