Donnerstag, 7. Mai 2015

Rezension: Jennifer Benkau * Mit Rosen bedacht

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3431039153
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 11,99 EUR 
Reihe: 1/1  
Erscheinungsdatum: März 2015  


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Wanda ist in Freudentaumel, sie heiratet bald und ist dementsprechend aufgeregt, als plötzlich der Anruf aus dem Krankenhaus kommt, ihr Verlobter Karim hatte einen schweren Unfall und liegt im Koma. Wandas Welt bricht zusammen, statt Hochzeit heißt es Krankenhaus und der Zustand von Karim ist besorgniserregend. Um nicht nur untätig rum zu sitzen und sich unnütz vorzukommen, versucht Wanda Karims Angelegenheiten zu regeln, dabei kommt es zu Ungereimtheiten und neuen Erkenntnissen, die für sie völlig unbekannt sind. Je tiefer sie gräbt umso mehr Geheimnisse und Lügen decken sich auf und dann findet sie auch noch eine Spur zu einem Verbrechen, was Wanda immer häufiger fragen lässt, wer war Karim wirklich? Kannte sie diesen Mann überhaupt? Was ist die Wahrheit? Und hat er wirklich mit alldem, was zu tun? 

Meinung:
Jennifer Benkau ist ja für ihre wunderbaren Jugendromane bekannt und ihre Geschichten konnten auch schon mich begeistern, nun soll aber mal was Neues her und so wagt sie sich an ihren ersten psychologischen Spannungsroman. Die Vorstellung von einem geliebten Menschen im Koma ist schon erschreckend genug, aber dann festzustellen, dass man die Person, die dort liegt, vielleicht gar nicht der Mensch ist, für den man in hält, ist einfach sehr beängstigend und meine Neugier war geweckt. Ich wollte erleben was sich Jennifer Benkau da hat einfallen lassen, wie sie mit der Geschichte spielen möchte und wohin sie uns zum Ende führen wird.
Wir lernen Wanda in der schlimmsten Stunde ihres Lebens kennen, der Arzt eröffnet ihr, wie der Zustand ihren Verlobten wirklich ist und das sieht alles andere als hoffnungsvoll aus. Wanda ist völlig taub, sie kann nicht verstehen was gerade um sie herum passiert, sie war doch gerade noch glücklich. Am Krankenbett erkennt sie ihren Karim kaum wieder und die Bevormundungen der Schwestern geht ihr gehörig auf den Keks, die kennen doch ihren Mann kaum und wenn nicht sie, wer weiß es dann am besten. Während sie also probiert mit der Situation klarzukommen und ihr Leben irgendwie dem allen neu anzupassen, kommen kleine Ungereimtheiten ans Tageslicht und Wanda fängt zu grübeln und zu graben an.
Tja und das hat die Autorin wirklich ganz großartig gemacht, während wir im Krankenhaus sind und Karim ans Bett gefesselt kennenlernen, lässt sie zum Kapitel Ende immer die Vergangenheit aufblühen, indem sie in Rückblenden erzählt, wie sie sich kennen- und liebengelernt haben. Dabei hat sie natürlich immer die passende Stelle zu den aufkommenden Missverständnissen und so können wir absolut nachvollziehen, was in Wanda vorgeht. So baut sie natürlich langsam, in vielen kleinen Schritten einen Spannungsbogen auf, der uns Leser fast platzen lässt. Wir wollen doch auch unbedingt wissen, wer ist Karim? Hat sie sich so in ihn geirrt? Was ist damals passiert? Wird sie je die Wahrheit herausbekommen? Das treibt einem beim Lesen an und natürlich wollen wir auch Wandas Reaktion dazu wissen.
Allerdings gibt es für mich so kleine Haken an der ganzen Sache, die mich doch ein bisschen ins Grübeln gebracht haben. Wanda zum Beispiel, so sympathisch ich sie auch finde, frage ich mich doch die ganze Zeit, ist es egal, über die Vergangenheit eines Partners nichts zu wissen? Klar hat sie nachgefragt, aber manchmal nimmt sie viel auch einfach hin, aus Liebe? So hat man oft den Eindruck, dass sie ein bisschen sehr naiv ist und durch die rosa Brille schaut. Dann war für mich natürlich Karims Nationalität ein Punkt, ich weiß gar nicht, wie ich mich dazu ausdrücken soll, aber genau durch diesen Einschlag, war mir von Anfang an klar, wohin die Reise gehen wird. Es ist natürlich kein schlechter Schachzug, aber mir hat das Einiges vorweggenommen.
Nichtsdestotrotz hatte ich sehr schöne Lesestunden mit dieser Geschichte und vieles ist auch wirklich richtig toll gelungen. Wahnsinnig gut hat mir der rote Faden mit den Kinderschlafliedern gefallen, das passte richtig gut rein. Auch das Ende war für mich eine runde Sache. Ich bin ein Fan von solchen Sachen, wenn alles geklärt ist, man aber trotzdem sich noch ein bisschen, was selber zusammen spinnen kann. Auch der Einfluss bezüglich der Ausländerfeindlichkeit, den Wanda und Karim in ihren Alltag zu bewältigen hatten, war gut in Szene gesetzt. Über den Erzählstill von Jennifer Benkau brauche ich glaube ich nicht viel sagen, die Frau kann schreiben und ich mag ihre leichte melancholische Art sehr, es hat immer ein bisschen mehr schwere und tiefe in ihren Sätzen und dieses Talent ist klasse.
Mir hat die Geschichte von Wanda und Karim richtig gut gefallen, auch wenn sie für mich nicht ganz rund war, habe ich sie verschlungen. Auch diese Richtung liegt der Autorin und ich bin gespannt auf mehr.
 
Henry und ich wurden von der Beziehung von Wanda und Karim gefesselt und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 
 


Jennifer Benkau wurde im April 1980 in der Klingenstadt Solingen geboren und lebt heute mit ihrem Mann, einem Haufen Kindern und zwei Hunden im Rheinland. Nachdem sie in ihrer Jugend Geschichten in eine anachronistische Schreibmaschine hämmerte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie im Dezember 2008 von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Gut ausgeschlafen widmet sie sich seitdem Romanen für Erwachsene und Jugendliche.

Quelle: Bastei Lübbe


Ganz lieben Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.
 

Kommentare:

  1. Hi :D
    Das Buch möchte ich auch noch unbedingt lesen ;) Hört sich wirklich spannend an und deine Rezi macht echt lust! ;)

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      na das freut mich riesig zu lesen, das ich dir das Buch schmackhaft machen konnte ...lach... dann kann ich dir ja nur noch ganz viel Lesespaß wünschen :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  2. Ach Mensch, jetzt will ich das Buch doch lesen. Ich dachte anfangs, dass sieht so nach Thriller aus, dann lass ich das Buch mal aus (obwohl ich Jennifer Benkau sonst toll finde), aber je mehr Rezensionen ich lese, desto mehr Lust bekomme ich auf das Buch :D Um nochmal sicher zu gehen: Ist denn irgendwas gruseliges, Thriller-mäßiges dabei? Dann müsste ich es nämlich doch wieder von meiner Wunschliste streichen ;)

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    1. Hallo CasusAngelus,

      ...lach... Ich bin es aber nicht Schuld ...lach... Der Thriller ist nicht gruselig und auch nicht blutig! Du kannst beruhigt zugreifen. Hier geht es eher um die menschlichen Höhen und Tiefen und der Frage: "Was weiß ich über meinen Partner?" und das ist hier sehr schön beschrieben, also los .... lesen!!! ;-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  3. Hallöchen liebe Inga,
    ich habe nur mal ganz fix durchgescrollt, weil ich das Buch noch lesen möchte und mich nicht zu sehr beeinflussen lassen möchte. :D Ich freue mich, dass dir das Buch gefallen hat & hoffe, dass es mir auch so gut gefallen wird. :D Ich bin immer erleichtert, wenn jemandem anders das Buch schon gefallen hat.

    Liebst, Lotta

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    1. Hallo liebe Lotta,

      ...lach... na ich hoffe doch sehr, dass du es auch bald noch liest ;-) Aber ich kann es verstehen, mann möchte sich ja nicht die Überraschung nehmen lassen! Aber ich fand es gut, auch wenn es nicht ganz rund war, aber es lohnt sich zu lesen, also ganz viel Spaß ;-)

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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  4. Feinen Sonntag, Inga.
    Jeder Mensch hegt seine Geheimnisse, die er definitiv für sich behält; nicht das Wesentliche, sondern eher die Feinmechanik unter Kleinigkeiten. Es ist der Individualismus in uns, der jeden vom Gestus des Lemming-Seins fernhält. Denn die völlige Aufgabe der eigenen Individualität bricht der Willkür Tür & Tor. so betrachtet sind kleine Geheimnisse durchweg positiv.
    Beim Substanziellen sieht das dann schon anders aus, weil die Basis vielleicht gar auf einer Lüge steht.

    "Liebe vermag blind zu machen" *. So besehen läßt sich ein Ausblenden von Ungereimtheiten doch erklären, zumal anfeindende Reaktionen anderer, Wanda & Karim zusammendrängen.

    Ich denke das Interessierende an der Geschichte dürfte der Aspekt sein, wie sich Karims Vergangenheit auf den neu geformten status quo auswirkt.

    Ein sehr schönes Cover-Motiv, übrigens!

    bonté



    * offensichtlich habe ich es heute mit den Sinnsprüchen. :-)

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    1. Servus Robert,

      wenn es das mal hier wäre ...lach... ich hab ja kein Problem mit kleinen Geheimnissen, aber es kommt ja immer aufs Gewicht darauf an, wie du ja schon selber sagst. Lügen oder Verschweigen von wichtigen Tatsachen ist nie gesund für eine Beziehung.

      Das hat sie schon ganz geschickt gestrickt, die liebe Autorin, denn Karim kommt ja nicht zu Wort, da er ja im Koma liegt. Da muss Wanda leider ganz alleine durch und entscheiden, wie sie damit umgehen will ... Schlau gemacht, was ;-)

      Sinnsprüche sind doch was ganz feines und leider viel zu selten geworden ... Ich mag das Cover übrigens auch.

      Hab noch einen schönen Sonntag
      Inga

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