Sonntag, 26. Juni 2016

Rezension: Isabel Allende * Der japanische Liebhaber


Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-13:
978-3518424964
Preis: 21,95 EUR
E-Book: 18,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: September 2015

Übersetzer: Svenja Becker 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Irina ist zuversichtlich, dass sie ihr neuer Job mal längerfristig an einem Ort fesselt, denn das Lark House scheint genau das richtige für sie zu sein, allerdings plagen sie immer noch Geldsorgen. Bis eines Tages Alma Belasco im Seniorenheim auftaucht und Irina als Assistentin engagiert. Irina ist überglücklich, aber auch neugierig, wer ist diese eigensinnige Frau? Alma ist eine Einzelgängerin, unnahbar, extravagant und schon über achtzig. Bekommt jede Woche einen Brief und Blumen, verschwindet über mehrere Tage und scheint ein Geheimnis nach dem anderen zu haben. Irina ist fasziniert und Almas Enkel Seth, von Irina, zusammen versuchen sie aus allem schlau zu werden und beginnen eine Reise in die Vergangenheit. Wer schreibt die Briefe? Was werden sie entdecken? Und wohin wird Irina und Seth die Reise führen?

Meinung:
Isabell Allende ist bekannt für ihre großen gefühlvollen Geschichten und da ich noch nichts von ihr gelesen, aber einen Hang für Japan habe, dachte ich, es wird mal Zeit, diese Autorin zu entdecken. Immerhin lockt sie ja einen mit Geheimnissen und verbotenen Reizen. Wer möchte da nicht das große Ganze erfahren.

Die Geschichte spielt eigentlich über eine längere Zeit im Seniorenhaus und wird durch viele Rückblenden aus Almas Leben unterbrochen. So lernen wir zuerst Irina kennen und wer denkt, dass Alma allein geheimnisvoll ist, muss sich mal Irina genauer anschauen. Sie lässt sich nicht in die Karten gucken, behält ihre Vergangenheit genauso unter Verschluss und lässt Seth nicht an sich ran, obwohl er ständig ihre Nähe sucht. So wird das auf dem ersten Blick etwas verschleiert, da im Mittelpunkt Alma steht, aber man sollte diese elfenhafte Person nicht wirklich aus den Augen lassen. Sie ist ein wichtiger Punkt in Almas Leben in Seniorenhaus und eine gute Beobachterin, durch ihre Augen lernen wir diese ältere Dame nämlich zuerst kennen.

Alma ist nicht nur für ihre anderen Buchcharaktere interessant, sondern auch für den Leser, ich hatte ja mit vielen gerechnet, aber mit solch einer dramatischen Lebensgeschichte nicht. So fängt ihre frühste Erinnerung im Zweiten Weltkrieg an, wie sie Polen verlassen muss, um bei ihrem Onkel in San Francisco Unterschlupf zu finden. Dort lässt sie keinen an sich ran und blüht erst richtig durch die Freundschaft zu ihren Cousin Nathaniel und den Gärtnersohn Ichimei auf. Diese drei Schicksale werden sich im Laufe dieser Geschichte immer wieder verweben, begegnen und ganz gravierend in den eigenen Leben einmischen. Jeder der Drei wird schwere Schicksalsschläge zu verkraften haben und die Autorin gibt hier wirklich ein Gesellschaftsbild Amerikas wieder, das nicht die Sonnenseite widerspiegelt. So haben wir gesellschaftliche Zwänge, politische Auswirkungen und fehlender Mut sein Leben offen so zu leben, wie es seine Gefühlswelt gerne hätte. Was mich aber am meisten schockiert hat, waren die Gefangenen Lager für die Japaner nach dem Pearl Harbor Angriff, diese dunkle Seite der USA kannte ich noch nicht und hat mich wirklich sprachlos und überaus traurig zurückgelassen. Ich könnte mich hier noch mehr dazu auslassen, aber ich werde es nicht tun, Gesellschaften sind grausam, egal wo auf der Welt, die eine folgenden Generationen wird, dafür immer noch angeprangert und die anderen schweigen darüber.

Isabel Allende hat hier wirklich große Gefühle und eine ganz außergewöhnliche Liebesgesichte aufs Papier gebracht. Sie kann unglaublich feinfühlig und sensibel erzählen, einen fesseln und schockiert zurück lassen. Mir hat es unglaublich gut gefallen, wie sie Sehnsüchte, Traditionen, Zwänge und Träume ineinanderfließen lässt und so eine bewegende Zeit geschildert. Sie nimmt uns ja nicht nur mit in die Vergangenheit, nein, sie lässt sie vor unseren Augen aufblühen und lebendig werden. Allerdings habe ich auch recht lange für dieses Buch gebraucht und das liegt an der ganzen Dramaturgie. Jeder ihrer Figuren, aber auch wirklich jede, hat ein dramatisches Ende, ich finde gut, dass sie schwere Themen gewählt hat, aber dadurch wurde es etwas überzogen und zu viel, für mich als Leser. Es kann ja sein, dass es so viel Schicksale auf einmal trifft, aber ich finde das im realen Leben ein bisschen ungewöhnlich, wenn alles eine Familie trifft.

Ein Buch was berührt, nachdenklich macht und trotzdem an die große Liebe glauben lässt, die alles überwindet. Wer große Gefühle und dramatische Schicksalsschläge mag, der sollte sich diesem Werk widmen und Alma mit ihren Ichimei kennenlernen.
 
Henry und ich haben Almas Lebensgeschichte gern kennengelernt und vergeben vier Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin: 
 
Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus. Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf Deutsch im Suhrkamp Verlag.

Quelle: Barbers Buchhandlung

 
Vielen lieben Dank an den Suhrkamp Verlag für dieses Rezensionsexemplar.  


Kommentare:

  1. Danke für deine schöne Rezension! Ich mag die Bücher von Isabel Allende sehr gerne und ich werde wohl auch diesen Roman lesen. Empfehlenswert ist natürlich auch Allendes bekanntestes Buch "Das Geisterhaus".

    Deine Katze ist übrigens super fotogen :-)

    Hab noch einen schönen Sonntag!

    Liebe Grüße,
    Mo

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    1. Hallo Mo,

      das ist ja lieb, danke für dein tolles Kommentar! Sie hat ja schon so viel geschrieben und bestimmt werde ich noch mal eins wagen :-) Das Geisterhaus habe ich als Film gesehen, ist das Buch besser??

      Hab du auch einen schönen Sonntag :-)
      Ganz liebe Grüße
      Sharon
      PS: Ja die lieben Katzen sind schon die kleinen Stars hier ...hihi...

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  2. Hallo!
    Ich habe das erste Mal ebenfalls in einem Buch (Das Haus der Harmonie von Barbara Wood) über die japanischen Gefangenenlager in den USA gelesen und war schockiert. Und ich habe mich geärgert! Denn wir hier in Österreich und Deutschland können uns bereits in der 3. oder 4. Generation noch immer anhören, was wir verbrochen haben (ist einerseits auch okay, aber was kann bitte eine Urenkelin dafür ?) und dies wurde einfach unter dem Tisch gekehrt! Dabei haben die Amis mit den Japanern genau daselbe gemacht! Kaum jemand weiß etwas davon! Und das regt mich wirklich auf und macht auf der anderen Seite auch traurig! Die Menschen sind einfach grausam!
    Ich habe ja letzten Monat erst "Kirschblüten und rote Bohnen" gelesen und wusste zum Beispiel auch nicht, dass geheilte (!) Leprakranke weggesperrt und zwangssterilisert wurden und erst 1996 dieses Gesetz in Japan verabschiedet wurde! Die Krankheit ist auch noch immer nicht ausgerottet (wusste ich auch nicht) und diese Menschen können natürlich nachdem sie Jahre, Jahrzehnte oder ein Leben lang eingesperrt waren nicht plötzlich raus ins reale Leben, auch wenn sie gesetzlich jetzt dürfen!
    Das alles macht unendlich traurig.....
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      schockiert, trifft es ziemlich gut und Barbara Wood hat auch schon darüber geschrieben, interessant! Ja diese geschichtliche Ungerechtigkeit ist schon empörend und gerade die USA mit ihren Sauberimage, sollte gerade mal die Finger still halten ...
      Wie sagt man so schön, man soll verzeihen, aber nicht vergessen! Die Generantion können nichts dafür, aber wir tragen doch eher die Verantwortung dafür, das so was nie wieder passiert und unsere Zeiten stehen ja auch nicht gerade gut ...
      Kirschblüten und rote Bohnen steht auch auf meiner Wunschliste und das Thema hätte ich jetzt gar nicht vermutet, ich finde es so gut, das es solche Bücher gibt, auch wenn sie uns traurig machen ...

      Hab einen schönen Sonntag und ganz liebe Grüße
      Sharon

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  3. Hallo! Klingt sehr interessiert und ist schon notiert und ja bitte, lies "Das Geisterhaus" - der Film ist toll (schon allein wegen Meryl Streep), jedoch das Buch ist weit ausführlich!

    Lieben Gruß aus dem kühlen Wien, kerstin

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    1. Hallo liebe Kerstin,

      na das freut mich doch sehr, wenn ich deine Wunschliste fülle ...hihi... aber musst du das bei mir auch machen ...AAAHHHHHH... Also ab mit "Das Geisterhaus" auf meine Wunschliste und den Film kenne ich ja ;-)

      Liebe Grüße
      Inga

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