Donnerstag, 4. Mai 2017

Rezension: Katharina Herzog * Immer wieder im Sommer


Broschiert: 384 Seiten 
Verlag: Rowohlt
ISBN-13: 978-3499291111
Preis: 12,99 EUR 
E-Book: 4,99 EUR 
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: April 2017




Inhalt:
Anna steht im Leben an einem Punkt, wo sie sich fragt, ist das alles, soll es das gewesen sein und passiert bitte noch was Schönes in meinem Leben. Immerhin war es nicht wirklich gut zu ihr, geschieden, zwei Kinder, beruflich auf der Strecke geblieben und zu ihrer Mutter seit Jahren keinen Kontakt mehr. Nun entdeckt sie in einer Zeitschrift, was aus ihrer Jugendliebe geworden ist, Jan lebt auf Amrum und ist geschieden und in Anna wächst ein Plan heran. Nur hat sie bei der Umsetzung nicht mit diesen Problemen gerechnet. Zuerst möchte sie die Kinder zu ihren Ex bringen, aber anstatt sie abzusetzen, sitzen am Ende alle im VW-Bus, dann meldet sich urplötzlich ihre Mutter mit der Bitte um Kontaktaufnahme, gesagt getan, da sie nicht ans Telefon geht, fährt sie halt auf ihrem Weg nach Amrum daran vorbei und am Ende sitzt auch die Frau Mama im Bus. Kann aus Annas Plan noch was werden? Was möchte ihre Mutter ihr mitteilen? Und warum benimmt sich ihr Ex-Mann Max auf einmal so anders?

Meinung:
Ich mag ja schon sehr lange die Romane von dieser Autorin, auch wenn sie hier unter Pseudonym schreibt, war meine Vorfreude direkt groß, immerhin sind es meine Wohlfühlbücher, mit dem Blick ins reale Leben, aber natürlich mit Happy End. So hatte ich es kaum in den Händen und schon begann ich zu lesen und steckte erstmals was fest, denn einige Ideen kamen mir ein bisschen bekannt vor und so kam der Ball erst langsam ins Rollen, ob er mich dann überholt hat, erzähle ich euch jetzt.

Die Geschichte wird aus drei Erzählperspektiven geschildert, man könnte auch sagen aus Sicht von drei Generationen, da haben wir die einsame etwas mürrische Mutter Frieda, dann deren Tochter Anna, die ein bisschen naiv und stur ihr Leben zu tragen hat und deren Tochter Sophie, die mitten in der Pubertät steckt und ein bisschen rumzickt. Alle drei haben Probleme und Sorgen, der eine größer, der andere kleinere, aber sie laufen ineinander und jeder versucht sie auf seine Weise zu lösen.

Den Hauptpart übernimmt Anna, wie schon gesagt, sie will mehr vom Leben und steckt doch irgendwie fest und hat das Gefühl auf der Stelle zu treten. Als junges Mädchen wollte sie Mode studieren und in die weite Welt hinaus, geschafft hat sie es nur bis München. Mit zwei Kindern und einer gescheiterten Ehe steckt sie fest, das kann es doch nicht gewesen sein. Ich empfand Anna zu erst etwas naiv, wirklich wie die Unschuld vom Lande und hatte so meine kleinen Startschwierigkeiten mit ihr. Aber ich glaube, das liegt viel daran, das sie alles in sich verschließt, um vor ihren Kindern vieles zu verbergen, ihre Hilflosigkeit, oder ihre Einsamkeit, ihre Wut auf ihren Ex-Mann Max, immerhin war er auch ihr Jugendfreund und dann betrügt er sie. An die junge Frau erinnert nicht mehr viel in ihren Leben und trotzdem möchte sie ausbrechen und was verrücktes wagen.

Bei Frieda hat sich die Autorin wieder was besondere Schicksalhaftes ausgesucht, denn wer ihre Bücher kennt, weiß das sie immer noch einen sehr nachdenklichen Part einbaut. Frieda bewirtschaftet den Annahof, allein und mit herrischer Hand, anders geht es ja auch nicht und dann bekommt sie die Diagnose Demenz. Nun versucht sie, noch alles zu regeln und muss damit auch Kontakt zu ihrer Tochter aufnehmen, dass sie auf einmal vor ihr steht, damit hat sie nicht gerechnet, aber so nimmt sie die Chance, besonders war. Frieda ist durch ihr Leben sehr geprägt, und sobald man mehr über sie erfährt, wächst diese Frau einem besonders ans Herz. Ihre Passagen sind eigentlich kleine Rückblenden aus ihrem Leben, Abschnitte daraus, die erklären, warum sie so gehandelt hat und dabei die Liebe zu ihren Kind opfert. Frieda berührte mich am meisten und für ihre Stärke bewundere ich sie sehr.

Tja und Sophie ist eben 14, da geht es um Schule, cool sein und Jungs. Die Schule läuft bescheiden, fürs lässige Auftreten wird auch mal geraucht und in den größten Wichtigtuer Yanick ist sie verliebt. Sophie ist fest davon überzeugt, wenn er sie wahrnimmt, ist es die große Liebe. So ist die Reise nach Amrum natürlich eine Katastrophe und dann geht auch noch das Handy kaputt, ein ziemlicher Weltuntergang. Ich fand Sophie schon ziemlich anstrengend, aber eben auch ganz typisch und hatte mit ihren Passagen eine lockere Zeit, die der Schwere der Krankheit ein bisschen die gedrückte Stimmung nahm.

Ich muss gestehen, dass ich am Ende mit dieser Familiengeschichte meinen Spaß hatte und wieder bestens unterhalten wurde. Allerdings gibt es ein paar kleine Abstriche für mich, zuerst eben die Ähnlichkeit zu ihren anderen Büchern, wer diese nicht kennt, wird es also nicht merken, oder vielleicht bin ich da zu empfindlich. Dann fand ich die Entwicklung der Liebesgeschichte sowie das schnell gekittete Verhältnis von Mutter und Tochter, zu schnell rund, da hat mir ein bisschen was gefehlt, so schnell verzeiht man nicht, aber man darf auch nicht vergessen, es soll locker und leicht sein, eben wie ein Tag am Meer und das ist hier alle mal getroffen. Besonders gelungen waren für mich die Beschreibungen der Demenz, die Hilflosigkeit, die Situationskomik, aber auch die Schrecken, das hat sie verdammt gut eingebaut und so geschickt gemacht, dass man zwischen durch nicht deprimiert war.

Ein schöner Roman übers Verzeihen und Vergeben, über das Finden vom Glück und den Mut nochmals von vorne anzufangen, eben ein perfekter Wohlfühlroman. Bitte weiterhin mehr davon liebe Frau Herzog.

Henry und ich mochten diese Familiengeschichte und ihre Mitglieder und vergeben vier Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Katharina Herzog hatte schon immer Spaß daran, sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Nach einem Abstecher in den Journalismus kehrte sie zur wahren Liebe Belletristik zurück und begann, Romane zu veröffentlichen. Als E-Book-Autorin hat sie sich bereits in die Herzen vieler Leserinnen geschrieben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.


Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. 

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