Montag, 8. Mai 2017

Rezension: Maria Stern * Acetat: Clara Cobans erster Fall


Gebundene Ausgabe: 267 Seiten
Verlag: Wortreich
ISBN-13:
978-3903091177
Preis: 19,90 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: September 2016 



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Inhalt:
Mordkommissarin Clara Coban wird spät am Abend zu einem Tatort gerufen. Eine Frau wurde in ihrer Küche niedergestochen und zwei kleine Kinder sitzen verängstigt in ihren Betten, Clara ist wütend. Immer mehr nehmen die Morde durch häusliche Gewalt zu und werden von den Medien gleich gültig abgetan. Für Clara steht fest, die Aufmerksamkeit muss wieder zielgerichteter sein und legt sich mit den Medien an und ihren Chef. Durch ihren Kampf macht sie sich also nicht nur Freunde, sondern auch viele Feinde und schwört sogar einen riesigen Streit mit ihrem Mann David hervor, der Journalist ist. Überall sieht, Clara nur noch bedrohte und verängstige Frauen, und als auch noch ihre Nachbarin nach einem Streit verschwindet, ermittelt sie auf eigene Faust, egal welche Konsequenzen sich daraus für sie ergeben. Übertreibt Clara da nicht etwa? Was wird sie bezüglich ihrer Nachbarin herausbekommen? Und kann sie diesen Kampf überhaupt gewinnen?

Meinung:
Mich lockte so einiges an diesem Krimi, zu erst natürlich Wien, dann eine junge Kommissarin, da es ja doch meistens ermittelnde Männer sind und ein Thema, was man ständig in den Nachrichten hört, aber oft einfach gedanklich weg blendet. So war ich doch recht gespannt, wie die Autorin mich als Leser packen wird und für welche Schwerpunkte sie sich entscheidet und da erwischt sie einem schon recht kalt, aber mehr gibt es jetzt.

Clara Coban ist eine noch recht junge Kommissarin, mit ihren 28 Jahren, ist sie sogar eine richtige Überfliegerin und hübsch noch dazu. Allerdings zeichnen sie noch ganz andere Charakterzüge aus, sie ist sehr engstirnig, hartnäckig, selbstbewusst und schießt gern über das Ziel hinaus. Das bringt sie natürlich immer wieder in Schwierigkeiten, aber das nimmt sie in Kauf. In ihrer Arbeit ist sie sehr ehrgeizig, aber privat kann sie auch anders, sich fallen lassen, sensibel sein und von einer eigenen Familie träumen. Im Prinzip ist Clara eine moderne Frau, die emanzipiert ist und sich in ihrer Welt und Rolle wohlfühlt, jemand wie du und ich. Aber durch ihren Beruf sieht sie immer mehr die Schattenseiten in der Frauenwelt und die Machtkämpfe von Männern. Was sie wütend, ohnmächtig und einfach unerträglich macht. Ich mochte Clara im Grunde schon recht gern, sie spiegelt vieles wieder, was ich auch habe und was ich zu schätzen weiß, allerdings fand ich ihre unüberlegte Art nicht immer einfach, ihre Impulshandlungen, die meistens übers Ziel hinaus schossen und mehr Schaden anrichteten, da lässt sie die Vernunft etwas im Stich.

Bevor ich dieses Buch angefangen hatte zu lesen, hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin über Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen und ihre Aussage, und diese ging mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf, wir stehen auf der Stelle und Entwickeln uns zurück. Ich hielt dagegen und meinte, schau, so lange gibt es die Frauenrechte ja auch noch nicht und unser Europa wird immer mehr von östlichen Einflüssen durchwandert, und dieser Menschenschlag ist einfach noch nicht so weit, daran müssen wir arbeiten und dann nahm ich das Buch und dachte, auch du Schreck, genau unsere Sorgen. Klar ist es einfach gesagt, beziehungsweise geschoben, dass viele Völker noch ganz anderes leben, aber die Gewalt nimmt immer mehr zu, Frau Stern hat diesen Spagat der Vorurteile mit dem Alltag gut hinbekommen und spielt wirklich alle Karten perfekt aus. Sie hält uns einen Spiegel der Gesellschaft vor, wo der Ehemann keinen Bock hat, Alimente zu zahlen, oder einfach diese Macht benötigt und Gewalt bei der eigenen Frau ausstrahlt, um Bestätigung zu finden. Maria Stern zeigt jede Facette auf und das große Drama unserer gegenwärtigen Welt, wie Politik und Journalismus versagen, oder den Ernst der Lage nicht polarisieren wollen. Für mich war vieles neu, unverdaulich und schwer zu begreifen und ich finde, dafür, dass es nur die Rahmenhandlung für den Krimi ist, ist dieses Thema der eigentliche Hauptprotagonist. Und es sagt eins, wir müssen weiter kämpfen, für alle, die nicht die Kraft dafür haben und die Augen offen halten.

Mehr möchte ich nicht verraten, aber unsere Kommissarin hat eine schwierige Zeit zu meistern und gerät in wirkliche Lebensgefahr, aber das müsst ihr selbst lesen. Die Autorin hat mit ihren kurzen Kapiteln für Schnelles lese vorankommen gesorgt und mit wenig Worten viel Raum und Atmosphäre geschaffen, mir hat es gut gefallen, auch wenn ich gern bei einigen Szenen länger verweilt geblieben wäre, aber man kann ja nicht alles haben.

Dieser Krimi ist ein Spiegel unsere Welt und ein Aufschrei an uns alle, passt auf euch auf, aber übertreibt es nicht. Spannend, realistisch, ernst und absolut überzeugend. Bin sehr gespannt, wo die Reise mit dem 2. Fall hingeht.
 
Henry und ich fanden diese Geschichte aufwühlend, nachdenklich und total am Zeitzeiger und deshalb gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
 


Maria Stern: geboren 1972 in Berlin. Nach einem begonnenen Schauspielstudium (Graumanntheater, Internationales Bewegungstheater am Odeon) Model-Jobs und Tanzstudium (Eurythmie) in Holland.
Tanzlehrerin, SingersongWriterin und Obfrau vom Forum Kindesunterhalt. Mitinitiatorin der Kampagne „Tanzen gegen (die) Armut“.
Beiträge (Gedichte, Kurzgeschichten, Kindergeschichten und politische Texte) in diversen Zeitungen, Onlineportalen und in den 2 Büchern „Armut und Soziale Ausgrenzung“.
FM4 Publikumspreis „für unverstandene Leistungen um die Genesung der Menschheit“.
Politische Arbeit in der Armutsbekämpfung von Kindern und Jugendlichen in Ein-Eltern-Haushalten.


Vielen lieben Dank an den Wortreich Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

  1. Sali, Inga.
    Patriarchale, chauvinistische Denke ist nicht wirklich eine Domäne des erwähnten "Ostens", wenn ich an allerlei reaktionäre Strömungen hier im Westen denke (mancherorts wird man deswegen gar zum Präsidenten gewählt). Wäre das Treiben, in den Konsequenzen, nicht derart ernst - man/frau könnte über die Selbstüberschätzung, einzig weil man ein Gehänge hat mehr (wert) zu sein, ins Gelächter ausbrechen.

    "Ein Mann zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er sich mit der Schalheit der eigenen Dummheit schmückt."
    (Myrelle Minotier)

    Schoko ist wohl die Sorte umgänglicher Mann... ;-)

    bonté

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    1. Grüß Gott Robert,

      du hast ja Recht, aber die Einflüsse machen es einfach immer wieder puplik, oder vielleicht liegt es auch an den Frauen, ich weiß es nicht, vielelicht ist es aber auch das Fremde. Und dieser Präsident macht mir persönlich gorße Angst.

      Und stimmt! Wäre alles nicht so Ernst, könnte man wirklich lachen ... oh mann, ein wirklich schwer verdauliches Thema. Dabei sind wir doch so eine moderne Gesellschaft und dann kommt der Neandertaler wieder vor ...

      Schoko ist die Sorte, anhänglicher Mann und zwar sehr sehr anhänglicher!

      Danke dir für deinen Besuch und liebe Grüße
      Sharon

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