Montag, 30. Oktober 2017

Rezension: Takis Würger * Der Club


Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Kein & Aber
ISBN-13: 
978-3036957531
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 17,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Februar 2017




Inhalt:
Hans lebt mit seinem Eltern abgeschieden im Wald und mehr benötigt er auch nicht. Er ist ein Außenseiter und bis auf seine Liebe zum Boxen eher Menschenscheu. Aber das Schicksal, meint es nicht gut mit ihm und macht ihn früh zum Waise und statt zu seiner Tante nach England zukommen, schickt sie ihn ins Internat. Kurz nach seinem Abschluss erhält er einen Hilferuf von ihr aus Cambridge, er soll hier in ihrer Universität studieren und ein Verbrechen aufklären. Dafür muss er aber unbedingt Mitglied des legendären Pitt Clubs werden. Für Hans eine unglaubliche Aufgabe, vor allem, da ihm seine Tante nicht mehr verrät. Wird er es schaffen, dem Club beizutreten? Kann er sich in der Welt der Snobs behaupten? Und wird er das Geheimnis auflösen können?

Meinung:
Dieses kleine Büchlein ist wie aus dem Nichts aufgetaucht und hat mich nach seinem Erscheinen regelrecht verfolgt. Ich hatte das Gefühl, es ist überall und jeder kennt es, oder hat es gelesen. Meine Timeline im Sozialen Netzwerk, quoll über und mein Buchhändler des Vertrauens hatte es auch vor Ort. So musste ich es, doch mal zur Hand nehmen und der Inhalt versprach richtig gute und spannende Unterhaltung. Es musste mit, nun ist es auch verschlungen und es wird Zeit euch davon zu berichten.

Hans war mir von der ersten Seite an sympathisch. Eher ein ruhiger Mensch, der mit der Masse und ihrer Art nicht ganz klarkommt. Der sich lieber zurückzieht und gern mit Abstand beobachtet. Einer, der sich oft, fehl am Platz fühlt und sich nicht für großen Small Talk berufen fühlt. So ein Mensch soll sich dann unter die Elite mischen und in einem Club eintreten, der nur so vor Egomanen und Exzentrikern wimmelt. Was natürlich den Reiz an der Geschichte ausmacht, wie soll er sich da behaupten, wie reinkommen und welche Attitüden muss er dafür beherrschen lernen. Schnell wird klar, allein schafft er es nicht, er strahlt einfach nicht das passende Ego aus und so bekommt er Charlotte zur Seite gestellt und diese junge Frau ist nur ein Anstoß für Veränderung. Denn diese Universität verändert Hans, ob zum Guten oder schlechten muss der Leser eben selbst herausfinden.

Takis Würger hat in seinem ersten Buch auch seine eigene Zeit von Cambridge verarbeitet. Ein Jahr Elite und Clubs, Einzelunterricht und eine Welt, die man als normal Sterblicher in einer anderen Zeit, sogar Jahrhundert vermutet und anscheinend gibt es diese Welt doch. Die Geschichte ist erfüllt von vielen Klischees und doch hat man das Gefühl, so ist es doch auch in Wirklichkeit. Junge Männer, die was im Kopf haben und doch meinen, sie dürften sich alles erlauben, weil sie was Besseres sind. Tja, und wenn man einmal dazugehört, ist es ein tolles machtvolles Gefühl, es verbindet und macht alle zu Brüdern, genau hier tappt auch Hans in die Falle und fühlt sich zum ersten Mal angekommen im Leben. Aber ist dieses Gefühl mehr Schein oder Sein.

Geschickt erzählt der Autor seinen Roman aus verschiedenen Sichten, da haben wir natürlich Hans, mit dem wir dieses Wechselbad miterleben. Aber auch seine Tante, die voller Geheimnisse und einer starken Dunkelheit beherrscht wird. Des Weiteren haben wir Josh, ein Sohn reicher Eltern und er zeigt uns, wie man in der Welt groß wird und welche Wirkung sie haben kann. Außerdem gibt es noch Charlotte, die Hans hilft in den Club zu kommen, aber auch sie trägt eine Traurigkeit in sich, die schwer zu packen ist. Eine ganz eigene Welt und doch packt sie uns beim Lesen, lässt uns in Abgründe schauen und spielt mit unseren Gefühlen. Diese Mischung aus, Spannung, gesellschaftlichen Schichten, Liebe, aber auch seinen eigenen Weg zu finden, hat Takis Würger in kurzen und einfachen Sätzen beschrieben. Er schlägt einen schnellen Takt an, baut einen raschen Sog auf und lässt einen wirklich erst wieder los, wenn das Buch beendet ist. 

Der Club ist eine traurige und berührende Geschichte, die einnehmend erzählt wird. Uns in eine Spiegelwelt der Reichen entführt und uns über Werte und Freundschaft nachdenken lässt. Ein Buch, was sich schnell verschlingen lässt, aber auch zu rasch vergänglich ist und trotzdem war ich im Augenblick des Lesens total gebannt. Ich bin sehr gespannt, was dieser Autor noch zu erzählen hat.
 
Henry und ich wirbelten durch die Seiten und vergeben dafür die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:


Takis Würger, geboren 1985, berichtete für das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« aus Afghanistan, Libyen und dem Irak. Mit seinen Reportagen gewann er zahlreiche Preise, darunter den Deutschen Reporterpreis und den CNN Journalist Award. Im Alter von 28 Jahren kündigte er seine Arbeit als Reporter und ging nach England, um an der Universität von Cambridge Ideengeschichte zu studieren. Er boxte als Schwergewicht für Cambridge University Amateur Boxing Club, kämpfte gegen Oxford und brach sich eine Rippe und die Hand. Er ist ein Cambridge Blue, Mitglied im Hawk`s Club, bei den Adonians, im Pitt Club und einer Drinking Society, deren Name hier nicht genannt werden darf. Verbrechen hat er in den Clubs keine begangen.  



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