Samstag, 21. Oktober 2017

Rezension: Saygin Ersin * Der Meisterkoch

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Atlantik 
ISBN-13: 978-3455001488
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Oktober 2017
Übersetzer: Johannes Neuner




Inhalt:
Im Istanbuler Haushalt des Kaufmanns Zümrützade wird hoher Besuch erwartet, nämlich der Waffenmeister des Sultans. Nur für ihn sollen die erlesensten Speisen aufgetragen werden und nur sein Koch soll sie zubereiten. Die Zusammenkunft fällt trotzdem anders aus, als erwartet und am Ende ist der Kaufmann seinen Koch los. Dieser Küchenchef ist ein Künstler seines Berufs, er beherrscht die Zubereitung wie kein anderer und soll im Topkapi-Palast nun für Genuss sorgen. Sein Ruf ist ihn vorausgeeilt und sein kulinarischer Ehrgeiz wird in der Sultanküche vorausgesetzt. Hier steht ihn die ganze Palette an Lebensmitteln und Gewürzen zur Verfügung und hier kann er, fasst an seinem Ziel, mit seinem Talent wirken. Denn dieser Koch hat nicht nur Gaumengenüsse zu bieten, sondern auch eine ganz andere Absicht im Kopf. Er möchte nämlich seine große Liebe wieder finden. Wie will das der Meisterkoch anstellen? Welche Macht hat sein Essen? Und für wem schlägt sein Herz?

Meinung:
Allein diese Gestaltung ist ein wahrer Augenschmaus und der Inhalt verspricht doch wirklich vielversprechende Lesestunden in einer ganz anderen Welt. Ich finde es großartig, das der Atlantik Verlag diese türkische Geschichte veröffentlicht, obwohl wir doch momentan mit Sorge unsere Blicke in diesem Land schweifen lassen. Denn dieser Ort hat so viel zu bieten und gerade Istanbul ist so ein weltlicher Platz in denn Moderne und Altes zusammen harmonieren. Der Oxident mit dem Orient verschmilzt und die Kulturen so lebendig sind und doch herrscht jetzt Unbehagen in der Welt. Da ist doch ein bisschen Zauber angesagt und was verbindet Völker am meisten, gutes Essen.

Wir steigen auch direkt beim Essen ein, denn im Hause des Kaufmanns gibt es eine wahre Festtafel und eine Speise, wird von der nächsten übertroffen. Es wird geschlemmt, gelacht und dann passiert es, der Koch hat etwas zubereitet und das, obwohl bekannt ist, dass der Waffenmeister dieses Mahl auf den Tod nicht ausstehen kann und da wird einem beim Lesen schon bewusst, das unser Küchenmeister mehr ist, als nur ein Koch. Denn das Erstaunen bricht nicht ab, als die Wache kommt und ihn mit in den Palast nimmt und er schon mit gepacktem Bündel wartet und noch mehr werden die Augen groß, als der Meister der Sultansküche, den neuen Koch beiseite nimmt und ihn kennt. Sofort ist die Neugier beim Leser geweckt und man ahnt, hier stimmt was ganz und gar nicht, was heckt dieser Koch aus.

Damit fängt die Geschichte an und wir erfahren nun in jedem Kapitel vorab,  woher der Koch kommt, wie sein Leben verlaufen ist und welche Beweggründe ihn zu seinem jetzigem Handeln führen. Und es ist eine wahre Abenteuerreise, denn unser junger Mann ist ein Beherrscher der Geschmäcker. Er beherrscht es wie kein Zweiter, ein Essen wohlschmeckend zu machen, aber nicht nur das, er verwendet auch ein bisschen Magie, denn er weiß, mit welchen Lebensmitteln und Gewürzen er die Gefühlswelt des Essensverkosters beeinflussen kann. Somit hat er eine unglaubliche Macht, über den Mann und den Palast. Nun fragt man sich unweigerlich, was hat er genau vor und wie will er seine Aufgabe erfüllen. Spannend und magisch kocht man sich mit ihm durch die Kochtöpfe, schnuppert dabei Gewürze, spürt die Hitze und watet durch den Dampfnebel der Küche.

Ich finde, Saygin Ersin hat ein wahres Märchen geschaffen, was einen in eine Zeit führt, die noch voller Magie bespickt ist. Da ich selbst schon in Istanbul war und auch einen kleinen Teil des Topkapi-Palastes besucht hatte, habe ich sofort ein Gefühl dafür gehabt. Diese riesige Anlage, mit ihren bunten Fliesen und ihren unglaublich schönen Bauten, ließen wahrhaft einen vor Augen, die Figuren der alten Zeit erscheinen. Die bunten Stoffe, das Wilde schnattern der Haremsdamen und die einheitliche Palastgarde. Ein wahrer Film aus Farben und Gerüchen, der Autor hat hier wirklich einen zauberhaften Blick ins Istanbul um 1600 geschaffen und einen unglaublich in diese Zeit hineingezogen. Aber nicht nur Istanbul ist ein Schauplatz seines Geschehens, nein, der Meisterkoch muss ja erst mal Meister werden und dafür auf Reisen gehen.

Für mich sprüht dieser Roman nur so von Magie und Märchenhaftem. Der Autor Saygin Ersin schafft mit seiner bildhaften Sprache eine wahre Farbenpracht und mit seinen Beschreibungen über das Essen, sorgt er ständig für Hunger. Seine Geschichte ist nicht nur der Weg eines Meisterkochs, sondern auch der Weg zu sich selbst und natürlich, sorgt er auch für die große Liebe. Ich habe dieses Schmuckstück unheimlich gern gelesen und finde, jetzt ist die perfekte Zeit dafür.

 
Henry und ich lieben Märchen und Essen, deshalb gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:


Saygın Ersin, 1975 in Manisa/Westanatolien geboren, studierte Soziologie und arbeitete anschließend als Journalist. Heute lebt er als Drehbuchautor und Schriftsteller in Izmir.

Quelle: Atlantik Verlag


Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hallo liebe Sharon,
    ich habe das Buch gestern erst beendet und man wird wirklich in eine ganz andere Welt entführt...poetisch und märchenhaft...wunderschön! Nur hungrig sollte man das Buch nicht lesen ;)
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo liebe Martina,

      da hattest du ja eine tolle Lektüre :-)
      Und stimmt, man hat ständig Hunger und ich muss sagen, ich habe jetzt auch schon wieder Hunger ...lach....

      Ganz liebe Grüße
      Sharon
      PS: Viel Spaß mit dem nächsten Buch

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  2. Huhu!

    Eine wirklich großartige Rezension! Das Buch ist mir bei den Neuerscheinungen direkt ins Auge gesprungen, und es scheint ja wirklich mit Klappentext und Gestaltung nicht zu viel zu versprechen. :-) Aber ich kenne mich, ich hätte beim Lesen Dauerhunger!

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo liebe Mikka,

      vielen lieben Dank, das freut mich wirklich riesig und ja, die Mischung ist hier wirklich sehr gelungen. Hunger gehört bei dieser Geschichte dazu ...lach... bald ist Plätzschenzeit!

      Vielen Dank fürs verlinken.

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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