Montag, 6. November 2017

Rezension: Lian Hearn * Die Legende von Shikanoko: Herrscher der acht Inseln


Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: Sauerländer
ISBN-13:
978-3737354660
Preis: 19,99 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: August 2017
Übersetzer: Sibylle Schmidt




Inhalt:
Kazumaru ist der Sohn eines Fürsten von Kumayama. Als dieser stirbt, übernimmt sein Onkel Sademasa so lange die Regierung, bis Kazu alt genug ist, selbst das Land zu übernehmen. Aber Macht und Neid trachten den jungen Kazumaru nach dem Leben, bei einer Jagd, fällt er von einem Felsen und wird für tot erklärt. Aber er überlebt, und trifft im Schwarzem Wald auf einem Hexer, der im durch Zauberei eine Maske anfertigt, die sein ganzes Leben verändern wird. So wird aus dem einstigen Kazumaru, Shikanoko geboren. Nicht nur Krieger, sondern auch die Magie wird seinen Weg begleiten und dieser wird steinig sein, denn die Zeiten im Reich sind im Umbruch. Der alte Kaiser ist krank und die Machtverhältnisse beginnen sich zu verschieben, Intrigen treten an den Tag und neue Feinde erscheinen im Tageslicht. Die größte böse Macht strahlt der Fürstabt aus und er trachtet nach dem Leben des rechtmäßigen Kaisers. Über Umwege wird auch Shikanoko in dieses Szenario gezogen, aber welche Rolle wird er dabei spielen? Welche Kräfte wird er durch die Maske besitzen? Und kann er den Weg des rechtmässigen Kaisers beeinflussen?

Meinung:
Endlich halte ich ein neues Buch von der Autorin Lian Hearn in den Händen und meine Freude darüber könnte nicht größer sein. Was habe ich damals ihre Otori Sage verschlungen und geliebt. Allerdings war mir da schon unklar, warum dieses Reihe als Jugendbuch erschienen ist, denn diese Autorin hält sich bei Brutalität und Körperlichen nicht zurück, hat aber auch einen poetischen Einfluss. Aber egal, ich bin groß genug und ich war gespannt, wie sie die Geschichte diesmal ansiedeln wird. Ob mich Lian Hearn wieder verzaubern konnte, erzähle ich euch nun.

Ich muss gestehen, der Einstieg ist nicht leicht und man sollte die Geschichte mit einem aufgeräumten Kopf angehen, denn zwischendurch mal kurz in die eigene Gedankenwelt abbiegen, geht hier nicht. Man muss konzentriert bleiben, denn jeder Satz könnte wichtig sein. Aber durch die Karte und das Namensverzeichnis findet man sich recht schnell zurecht und steigt gut ein.

Die Legende von Shikanoko ist in der Welt vom alten Japan angesiedelt und das Schöne ist, es geht magisch, mystisch und fantastisch zu. Denn diesmal ist es nicht nur ein Krieger-Epos, sondern die Magie steht im Vordergrund. Ist das nicht ganz wunderbar, gerade in der Kaiserzeit wurde doch viel mit Magie und Aberglaube gearbeitet, mit Ehrgefühl und Treue, aber auch Intrigen und Macht strecken ihre Arme aus. Und mittendrin ein junger Fürst, dessen vorbestimmen Platz man weggenommen hat, der zum Weg der Magie genötigt wurde und dessen Schicksal vieles beeinflussen und verändern wird.

Shikanoko ist gerade an der Schwelle zum Mann, als ihn die Ereignisse überrollen und so sind seine Charakterzüge noch lange nicht gefestigt. Er neigt zum Übermut und handelt überstürzt, lässt sich zu Dummheiten hinreißen und überfordert ganz gern sein Glück. So ist er noch nicht der Mann, der er mal sein wird, und stolpert am Anfang zuerst über die eigenen Füße. Aber er wächst an seinen Aufgaben und seine Entwicklung ist faszinierend mitzuverfolgen. Aber wie immer bei Lian Hearn, ist nicht nur Shikanoko eine Figur, dessen Lebensverlauf wir verfolgen, nein, es sind viele Begleiter und Schicksale, die wir kennenlernen und dessen Funktion sich erst im Laufe der Geschichte erklären. Dabei werden viele Fäden gesponnen, verwoben und die Komplexität nimmt ihren Lauf.

Diese Autorin schafft es allein mit ihrem Setting zu begeistern und einem in eine andere Welt zu versetzten, dazu trägt mit Sicherheit ihre Art zu erzählen bei. Sehr erwachsen, brutal, düster und absolut atmosphärisch ist ihre Wortwahl und bannt einen förmlich in die Geschichte. Dazu kommt, dass sie viele facettenreiche Figuren schafft und ihre Schicksalswege gut miteinander verstrickt. Dabei hält Lian Hearn das Gleichgewicht extrem gerecht, zwischen Gut und Böse und überfordert ganz gern mal die Nerven ihrer Leser, denn wir sind mit einigen Entwicklungen bestimmt nicht einverstanden, zumindest ich nicht, aber ich kenne das ja schon aus der Otori Reihe und da mussten lieb gewonnene Charaktere auch den Buchseitentod sterben. Aber ich werde hier nichts weiter verraten, dafür ist die Geschichte viel zu komplex und einfach viel mehr wert, wenn man diese selbst entdecken.

Die Legende von Shikanoko hat mir richtig gut gefallen, ein Fantasy Epos von Feinsten, mit dieser wunderbaren asiatischen Welt, wo Farben miteinander spielen und Magie förmlich in der Luft schwebt. Unglaublich toll und atmosphärisch geschrieben und man möchte nach dem Ende unbedingt Teil zwei lesen. Shikanoko ist noch lange nicht aus erzählt.


Henry und ich lieben diese fernöstlichen Abenteuer und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
 


Lian Hearn wurde 1942 geboren und wuchs in Nigeria und Großbritannien auf. Sie studierte moderne Sprachen und arbeitete anschließend als Filmkritikerin und Redakteurin. Sie ist die Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Ein lebenslanges Interesse an Japan und seiner Kultur führte dazu, dass sie Japanisch lernte und das Land unzählige Male bereiste. Lian Hearn lebt heute in Goolwa, Australien.



Die Legende von Shikanoko - Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Lian-Hearn/Die-Legende-von-Shikanoko-02-Fuerst-des-schwarzen-Waldes_lid_33896735.html?storeID=barbers
  
2. Teil I Erscheinungsdatum: 22.02.2018


Vielen lieben Dank an den Sauerländer Verlag für das  Rezensionsexemplar.

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