Freitag, 24. November 2017

Rezension: Brom * Krampus


Gebundene Ausgabe: 504 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
ISBN-13:
978-3426653340
Preis: 19,99 EUR
E-Book: 17,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2013
Übersetzer: Jakob Schmidt 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Musiker Jesse kehrt nach einen Gig frustriert zu seinem Wohnwagen zurück und fühlt sich mehr den je als Versager. Kein Geld, kein Weihnachtsgeschenk für seine Tochter und dabei ist der große Tag schon morgen. Während er noch grüblerisch im Wagen sitzt und der Flasche Alkohol gut zuspricht, stürzt vor seinen Augen der Weihnachtsmann ab und wird von dunklen Gestalten bedroht. Jesse kann nicht glauben, was er dort sieht und zweifelt an seinen Verstand, so nimmt er die Beine in die Hand und verschwindet. Bei seiner Rückkehr und seinem Selbstgespräch, das er sich alles nur ausgedacht hat, fällt ihn der Sack des Weihnachtsmanns in die Hände und bevor er es sich versehen kann, wird er selbst verfolgt. Was wollen sie nur von ihm? Und was sind das für Gestalten? Und wer bitte ist den dieser Krampus?

Meinung:
Als ich damals „Der Kinderdieb“ gelesen und mich diese schaurige Geschichte voll in den Bahn gezogen hatte, war ich auf der Suche nach mehr von diesem Autor und bin auf den Krampus gestoßen. Ein Werk, was Gott sei Dank ins deutsche übersetzt wurde und zur Weihnachtszeit spielt, mit einer Figur, die schon lange in Vergessenheit geraten ist. Kurz um, ich musst es sofort haben, allerdings dauerte es etwas bis ich es lass. Ob der Zauber wieder auf mich übergegangen ist, erfahrt ihr jetzt.

Jesse ist ein absoluter Versager, kein Geld, kein Heim, seine Frau hat ihn verlassen und seine Tochter darf er nur selten sehen. Dabei liebt er seine Mädels über alles und wünscht sich ein normales Leben. Nur ist seine Liebe zur Musik, größer, aber der Erfolg bleibt aus und so tingelt er von Bar zu Bar, wo ihn keiner richtig zuhört und er von der Hand in den Mund lebt. So ist sein Gig an Weihnachten eine Katastrophe und statt Geld bekommt er eine Flasche Alkohol. Jesse nimmt es wie immer so hin, statt mal auf den Tisch zu hauen und bestätigt sein Loserdasein. Aber dann bekommt er den Weihnachtsmannsack in die Hände und siehe da, wenn man hineingreift bekommt man Spielsachen heraus, zum ersten Mal kann er bei seiner Tochter punkten und fühlt sich super. Nur, das dieses Wunder Nebenwirkungen hat und er bald, selbst zum Gejagten wird und er vor einer schaurigen Gestalt steht, den Krampus. Jesse mag zwar ein ungewöhnlicher Buchcharakter sein, aber dieses absolut menschliche, hat der Autor wieder Mal klasse eingefangen und man liest einfach gerne weiter, um zu sehen ob er dem Hokuspokus verfällt, oder sich Weiterentwickelt.

Überhaupt hat sich Brom wieder einer tollen Geschichte angenommen, immerhin lässt er die alten nordischen Götter aufleben und diese Zeit in unserer neu erstrahlen. Der Krampus erschreckt einem aber erst als Leser, immerhin schickt er seine Belznickel aus, um Jesse einzufangen, weil der etwas hat, womit der Krampus wiedererwachen kann. Außerdem gibt er optisch nicht unbedingt den Sympathen, aber je man liest und mehr über ihn erfährt, ändert sich die Meinung, man wünscht ihn Erfolg und möchte mehr über sein Julfest erfahren und wieso ihm dieses Unrecht widerfahren ist. Allerdings schwankt man bei ihm auch immer ein bisschen hin und her, denn so einfach macht es unser dieser Charakter nämlich nicht, einerseits möchte er das Gute, nämlich die Natur feiern, aber anderseits geht er dafür über Leichen und seine Rachegier ist übergroß. Es fiel mir schon schwer diese Figur einzuschätzen, aber das machte auch den Reiz aus. So ein bisschen Krampus in unserer Zeit würde auf jeden gar nicht schaden.

Der Autor hat hier wirklich wieder den Zauber der alten Zeit eingefangen und schreibt einfach düster, fesselnd, einnehmend und absolut spannend. Dabei sind seine Figuren lebendig, strahlen soviel Individualität aus und können einen einfach begeistern und überzeugen. Natürlich nimmt Brom vor Brutalität und Bösartigkeit kein Blatt vor dem Mund und bleibt somit seinem Stil treu. Dabei schafft er es, mit seiner Sprache Bilder zu schaffen, die eine unglaubliche Wirkungskraft haben und einen richtig mitreißen. Eine Geschichte wieder für die Großen und mit jeder Menge Witz und Bosheit, aber vom Feinsten.
 
Henry und ich finden, der Mann hat es drauf, und zwar volle und deshalb gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:
   

Brom, Jahrgang 1965, wurde in Albany im amerikanischen Bundesstaat Georgia geboren. Da sein Vater Pilot bei der U.S. Army war, verbrachte Brom einen Teil seiner Jugend im Ausland, unter anderem in Japan und Deutschland, wo er zur Schule ging; aus dieser Zeit rührt auch seine Angewohnheit her, seinen Vornamen nicht zu benutzen. Bereits mit 21 arbeitete Brom als Illustrator für Firmen wie Coca-Cola und IBM. Später begann er, sich auf die visuelle Umsetzung von Rollenspielen wie „Dungeons & Dragons“ und anderer Fantasywelten zu konzentrieren; er schuf außerdem Sammelkarten für Spielsysteme wie „Magic: The Gathering“ und arbeitet für zahlreiche Verlage und Computerspielhersteller. Brom hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und lebt heute mit seiner Familie in Seattle.



Mittwoch, 22. November 2017

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Buchstabenliebhaber,

es gibt ja besondere Reihen, da fiebert man ja dem nächsten Teil entgegen, und wenn dann ein Abschlussband vor der Türe steht, kann man auch schon mal mit den Füßen scharren. Zumindest geht es mir gerade so. Damals bin ich zufällig auf diese Welt der bösen Engel gestoßen und dann wurde ich förmlich hineingesogen. Nach dem ersten Teil musste man unheimlich lange auf den Zweiten warten und dann wurde auch noch das Format geändert, was mich immer noch ärgert. Aber nun rückt die Stunde der Erlösung näher und ich glaube, ihr wisst ganz genau, von welchem Buch ich spreche, oder? Der Ordnung halber hier das Buch:


Angelfall: Am Ende der Welt
3. Teil
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09.01.2018

Penryn und Raffe, die Rebellin und der gefallene Engel, sind auf der Flucht vor dem Zorn der Engel. Und sie wissen: Sie müssen einen Arzt zu finden, der Raffe zu seinen Schwingen verhilft und Penryns kleine Schwester vom Fluch der Engel befreit, bevor die letzte Schlacht ansteht. Gelingt ihnen das nicht, sind sie alle verloren. Als Raffe von seiner Vergangenheit eingeholt wird, steht Penryn vor einer schrecklichen Entscheidung: Vertraut sie dem Engel, den sie liebt? Oder muss sie auch gegen ihn kämpfen, um die Menschheit zu retten? 


Was bin ich gespannt? Wie wird es wohl enden? Und bekomme ich mein Happy End? Diese Ungeduld macht mich ganz schwach. Bitte sagt mir, dass ihr das auch kennt. Susan Ee hat mit ihrer Welt wirklich was außergewöhnlich anderes geschaffen und mit ihrem Schreibstil bannt sie einem förmlich in die Seite. Außerdem mag ich die beiden Hauptfiguren so gern und den bösen Humor. Geht es euch auch so? Wer fiebert mit? Und gibt es wirklich noch jemanden, der es nicht kennt?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich die Finger passend lackieren gehende, Sharon

Montag, 20. November 2017

Rezension: Martin Krist * Böses Kind

Taschenbuch: 324 Seiten
Verlag: Selfpublishing
ISBN-13:
978-3745035292
Preis: 9,99 EUR
E-Book: 2,99 EUR
Reihe: 1. Henry Frei Fall
Erscheinungsdatum: November 2017
 
 
 
 
Inhalt:
Suses Leben wächst ihr von Tag zu Tag noch mehr über den Kopf. Die Trennung von ihrem Mann, dazu noch die Kinder mit einer pubertären Tochter, einem quengligem Kleinkind und noch einem Baby dazu. Alles ist zu viel, alles wird schwer und dann auch noch Sorgen im Job, den sie doch so dringend braucht. Aber das alles wird noch getoppt, denn ihre Tochter ist auf einmal verschwunden. Zur gleichen Zeit arbeitet das Team von Kriminalhauptkommissar Henry Frei an einem schweren Fall, der jetzt endlich gelöst zu sein scheint, und ihm doch noch Kopfzerbrechen bereitet. Dafür bleibt ihm aber wenig Zeit, denn ein neuer Fall erfordert seine Aufmerksamkeit. Ein Opfer wurde gekreuzigt und erschlagen aufgefunden und führt über Umwege zu Suse. Wie hängt der Fall zusammen? Welche Familiengeheimnisse müssen Henry Frei und sein Team aufdecken? Wird es noch mehr Opfer geben? Und werden sie die vermisste Tochter finden?

Meinung:
Was Neues von Martin Krist, und meine Krimiseele jauchzt begeistert auf. Bis jetzt habe ich die Bücher keines Krimiautors so gern verschlungen wie die Geschichten von Krist. Er ist einfach ein Garant für spannende Unterhaltung, die einem durch die Seiten rauschen lässt und ein Berlin einfängt, das zum Greifen nah scheint. Dazu noch seine geschickten Verknüpfungen und die gut portionierten Kapitel, die kleinen Cliffhanger und Marotten der Hauptfiguren machen ihn einfach zu Mr. Crime. Diesmal mit einem neuen ErmittlertTeam in alter Kulisse, ich war gespannt. Ob er mich wieder begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt.

Natürlich fängt sein Buch auch direkt wieder mit einer Eröffnungsszene an, die einen erschaudern, ekeln und trotzdem gebannt weiter lesen lässt. Das kann Martin Krist ja immer perfekt, da der Leser sofort denkt:Was ist passiert? Wer ist diese Person? Und oh mein Gott, wie wird das enden? So stürzt man förmlich in den Fall und prescht mit Feuereifer voran. Aber wer den Autor ein bisschen kennt und schon eines seiner Werke gelesen hat, sollte vorsichtig mit den Vermutungen sein, denn man weiß nie, in welcher Zeitebene manche seiner Erzählstränge spielen. Das macht er so perfekt, dass es immer schwer ist, alles auf den ersten Blick zu entwirren.

Aber nicht nur das ist sein Steckenpferd, nein, Martin Krist hat eine beindruckende Gabe, Umgebung, Personen und ihre Alltagssorgen zu beschreiben. Ich bin immer wieder so erstaunt und überrascht, wie nah mir alles vorkommt und wie ich mitten rein stolpere und nur den Arm ausstrecken müsste, um Personen und Dinge berühren zu können. Er beschreibt Suses Leben so authentisch, dass man es absolut nachvollziehen kann. Man spürt die Verzweiflung, aber auch die Wut über die Welt und doch auch den Kampf um die eigene Existenz. Diese Zwischengefühle von Schuld und Unwissenheit stellt er so gut dar, dass man Suse in den Arm nehmen möchte, um zu trösten. Und dann sehen wir sie durch die Augen der Ermittler und erleben eine ganz andere Sicht. Dieses Spiel mit dem Leser, dieser unglaublich geniale Erzählstil machen aus einem kleinen Fall einen richtigen atmosphärischen starken Krimi, und man will nicht loslassen.

Dann kommt auch noch ein neuer Ermittler an Board. Ich muss gestehen, dieser Henry Frei gefällt mir ausgesprochen gut. Zu meiner Schande muss ich nämlich sagen, dass ich nicht so ein Kalkbrenner-Fan bin, obwohl - das stimmt jetzt auch nicht so wirklich. Kalkbrenner ist schon ein netter Kerl, aber mir nicht so sympathisch, da fand ich jetzt Frei bei weitem interessanter und allein als Person spannender. Er hat wohl auch so seine Vorgeschichte. Er ist etwas unterkühlt, aber extrem organisiert und hat gern alles unter Kontrolle. Dazu kommen noch seine Macken, wie immer seine Kleidung glatt zu streichen, die Mittelkonsole in seinem Auto manisch zu sortieren und einen gewissen Regelgang in seinem Leben einzuhalten. Gut fand ich auch, dass er verheiratet ist, und zwar mal glücklich und zwei Kinder hat. Im krassen Gegensatz dazu ist seine Kollegin, chaotisch, gerade Mutter geworden, ständig übermüdet und sie verteilt gern ihren Kram überall. Das führt zu manchen Augenrollenaugenblicken und heitert das Lesen gerne mal auf. So lernen wir neue Figuren kennen, aber treffen auch alte Bekannte wieder, immerhin hat die Mordkommission viele Abteilungen, aber nur einen Pathologen und eine Spurensicherung.

Machen wir es kurz, ein absolut gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe und wir können uns da noch auf einiges freuen, denn das Ende war mit einem kleinen Cliffhanger bestückt. Martin Krist beherrscht einfach sein Handwerk und hat mir wieder richtig gut gefallen, ein tolles neues Team und ein spannender Fall, aber ich denke, der Krist läuft erst warm und lässt es noch richtig krachen. Ich freu mich darauf.

Henry und ich fanden den Auftakt richtig stark und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:

Martin Krist ist das Pseudonym eines erfolgreichen Schriftstellers aus Berlin. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte in unterschiedlichen Genres Bücher. Nach einer Biografie über eine Rotlichtgröße aus dem Ruhrgebiet, über Tattoo-Theo, über die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain sowie zahlreichen anderen Buchprojekten, konzentrierte er sich ab 2005 auf Krimis und Thriller.
 
Quelle: Amazon


Vielen lieben Dank an Martin Krist für das Rezensionsexemplar.