Dienstag, 30. August 2016

Rezension: Rick Riordan * Magnus Chase: Das Schwert des Sommers


Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Carlsen
ISBN-13:
978-3551556684
Preis: 19,99 EUR
E-Book: 13,99 EUR
Reihe: 1. Teil 
Erscheinungsdatum: Juli 2016
Übersetzer: Gabriele Haefs




Inhalt:
Magnus lebt seit dem mysteriösen Tod seiner Mutter auf der Straße. Zu seinen beidem Onkels will er nicht, da diese sich mit seiner Mutter verkracht haben und nach zwei Jahren auf sich allein gestellt, will er auch nichts mehr davon wissen. Aber dann sieht er einen von ihnen im Park mit einem Suchzettel in der Hand und darauf sein Gesicht. Magnus ist alarmiert und will wissen, warum sie ihn ausgerechnet jetzt anfangen zu suchen und entdeckt so einiges über sich. Er ist der Sohn eines nordischen Gottes aus Asgard und er soll dessen Schwert wieder finden. Mehr schlecht als recht stolpert er in diese Welt aus Kriegern und muss sich nach einem misslungen Start beweisen. Wird er das Schwert finden? Kann er sich ehrenhaft beweisen? Was für Abenteuer muss er bewältigen? Und wird er Hilfe gekommen? Magnus bricht in sein Abenteuer auf ...

Meinung:
Nachdem in den Kinos ein wahrer Boom an Marvel Filmen explodiert ist und wir alle nach dem nächsten Thor Streifen lechzen, wird es doch mal Zeit das Rick Riordan uns die nordische Götterwelt etwas besser und Geschichtsträchtiger präsentiert. Ich glaube, es steht außer Frage, das ich ein Fan von diesem Autor bin und ich denke, seine Unterrichtsstunden hätte ich nie verpasst und jetzt verpasse ich eben nicht seine Bücher.

Unser junger Held Magnus ist ein bisschen schmächtig, hat aber keine Probleme mit Temperaturen, egal, in welche Richtung das Thermometer steigt oder sinkt, das macht sein Leben auf der Straße ein bisschen einfacher. Seine Mutter hat ihn allein aufgezogen und mit ihm viele Campingausflüge gemacht. Magnus war ständig an der frischen Luft und im Wald, hat Beeren gepflückt und ist auf Bäume geklettert. Seiner Mum war das wichtig und sie sagte immer, das er in der Natur seinem Vater am nächsten ist. Wer sich mit den nordischen Göttern auskennt, kann hier vielleicht schon die Identität des Vaters erraten, ich allerdings musste noch sehr lange weiter lesen. Was Magnus aber mit Sicherheit nicht ist, ein Krieger, dieses unbändige vorpreschen und diese Kraftanstrengung, sind absolut nicht seins. Allerdings ist er mutig und immer mit dem Herz dabei und er hat einen unglaublich witzigen Humor und versucht seine Aufgabe so gut es geht zu meistern. Sprich, ich mochte ihn sehr und konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich wollte.

Was der Autor einfach ganz wunderbar beherrscht, ist eine knackige Geschichte zu erzählen, die sich von einer dramatischen Situation in die nächste hangelt und dabei Wissen zu vermitteln, dass spannend, unterhalten und nicht Lehrer mäßig rüberkommt. Dabei hat er das Talent immer alles so spielerisch, mit ganz viel Liebe zum Detail und jeder Menge Witz zuerzählen. Allein seine Überschriften sind zum Totlachen und machen einfach Freude auf das nächste Kapitel. Ganz ehrlich, man rauscht durch das Buch, ist voll mittendrin und kann die Spannung kaum aushalten. Ich finde ein besseres Kopfkino dieser Klasse, findet man nicht so schnell wieder.

Rick Riordan hat anscheinend einen unglaublichen unerschöpflichen Pool an Ideen und Fantasie. Klar gab es einige kleine Begebenheiten, die mich doch an Percy erinnert haben, aber das nahm nicht überhand und es gab auch so viel Neues zu entdecken, das der Vergleich direkt ins Hintertreffen geraten ist. Allein Magnus Freunde waren eine Wucht, da hat er wirklich wieder ganz tolle Originale geschaffen. Ihm zur Seite gestellt bekommt er einen Zwerg, der auf Mode steht, einen Alb, oder Fee, der taub ist und magische Runenkräfte besitzt und eine Walküre, die den Spagat zwischen zwei Leben hingekommen muss. Wieder wurden alle so liebevoll gestaltet und man schloss alle schnell in sein Herz. Auch die Götter bekommen eine ordentliche Präsentation, dass man sich das Lachen kaum verkneifen konnte. Mehr möchte ich gar nicht verraten, denn es macht so unglaublich viel Spaß alles Selbst zu entdecken und deshalb verrate ich nix mehr.

Ein herrlicher Start in die nordische Mythologie, mit einem rundum gelungenen Abenteuer, großartigen Figuren und einer spielerischen Reise in die komplexe Welt der Götter. Wunderbarer Lesespaß für jeden ob Jung oder Alt und ich möchte sofort wieder mitreisen, also her mit Band zwei.

Henry und ich lieben genau solche Bücher total gerne und vergeben Schwert schwingend die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:
 


Rick Riordan war viele Jahre lang Lehrer für Englisch und Geschichte. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Boston und widmet sich inzwischen ausschließlich dem Schreiben. Seine Percy-Jackson-Serie hat den Buchmarkt im Sturm erobert und ist in 40 Länder verkauft worden. Auch seine nachfolgenden Serien, »Die Kane-Chroniken«, »Helden des Olymp« und »Magnus Chase«, schafften auf Anhieb den Sprung auf die internationalen Bestsellerlisten.

Quelle: Carlsen Verlag


Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 25. August 2016

Rezension: Adrian J. Walker * Am Ende aller Zeiten


Broschiert: 432 Seiten
Verlag: TOR  
ISBN-13:
978-3596037049
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2016
Übersetzer: Nadine Püschel & Gesine Schröder




Inhalt:
Edgar Hill wird von dem Gebrüll seines kleinen Sohnes Arthur wach und quält sich aus dem Bett, da er früh morgens dran ist. Gemütlich macht er ihm ein Fläschchen und geht kurz mit Arthur spazieren. Schnell fällt ihm auf, das etwas anders ist, die Straßen sind ruhiger, manche Menschen denen er begegnet benehmen sich komisch und irgendwas liegt in der Luft. Ganz grau in seinem Gehirn martert etwas, hat er nicht gestern was im Fernsehen gehört oder gesehen, was wichtig war? Zu Hause geht er dem Ganzen auf den Grund und gerät in Panik. Eine Katastrophe kommt auf die Erde zu und er hat nur wenig Zeit, um seine Familie in Sicherheit zu bringen, wie gut das sie einen Keller haben. Die Familie überlebt gerade so und wird in einem Lager untergebracht. Edgar schließt sich, zum Leidwesen seiner Frau, den Lebensmittelsuchtrupps an und kommt so zu spät als die Hubschrauber landen und seine Familie evakuieren. Sie werden 500 Meilen nach Cornwall gebracht, um dort dann aufs Festland überzusiedeln. Ed hat nur wenig Zeit, um zu seiner Frau und Kindern zu gelangen, wird er den Weg auf sich nehmen? Kann er die körperliche Herausforderung packen? Welche Menschen, welches verwüstete Land wird ihm begegnen? Und kann er es rechtzeitig schaffen?

Meinung:
Eigentlich bin ich ja nicht so der Fantasy Leser, was ich mich immer noch frage, warum eigentlich. Ich liebe fliegende Laserschwerter und galaktische Raumschiffe, mag auch Feen und Zauberer, warum stelle ich mich dann in der Literatur für die etwas Größeren so an. Als mir damals das Buch von Adrian Walker vorgestellt wurde, dachte ich, Wahnsinn, das klingt spannend und ich bin doch eine Beherrscherin des Kopfkinos, das probierst du aus und außerdem ist es mal von einem Mann geschrieben, da wollen wir doch schauen, was der so kann.

Unser Icherzähler heißt Edgar Hill und ist ein absoluter Antiheld. Seines Lebens völlig überdrüssig, verheiratet und zwei Kinder, wo er sich immer fragt, warum habe ich mir das ans Bein gebunden. Ein typischer, ich habe nicht wirklich Lust auf Verantwortung und gehe lieber mit meinem Freunden was trinken. Der Alkohol lässt ihn den Alltag überstehen und alle Verpflichtungen vergessen. Sprich, Edgar lässt sich gehen, in allen Dingen und ist genervt, wenn ein Kind schreit. Nun gut, so ganz unsympathisch kommt er gar nicht rüber, denn er liebt seine Familie schon, ist aber nicht der geborene Ehemann und Vater, aber die kleinen Dinge sind ihm trotzdem wichtig. Da passiert eine Katastrophe, Ed muss, reagieren, er muss sozusagen seinen Mann stehen und fühlt sich doch wie ein Versager. Als er dann im Lager eine Chance hat, der Beengtheit zu entkommen nutzt er diese sofort, ohne auf die Wünsche seiner Frau einzugehen, Hauptsache weg und dann sind sie weg. Seine Familie ist evakuiert, Ed gerät ins Grübeln, ist das gut, so wollte er es doch immer, oder fehlt ihm jetzt doch ein Stück. Edgar muss eine harte Entwicklung durchleben, er muss sich neu definieren und dem Ziehen seines Herzen, der immer größer werdenden Sehnsucht, nach seinen Lieben nachgehen.

Adrian J. Walker hat sich für ein Endzeit-Szenario entschieden und lässt unsere Welt durch einen Asteroiden neu formen. Alles wird zerstört, Menschen kommen um und die Sonne geht unter. Es ist eine düstere Zeit und ein Kampf ums Überleben und mittendrin ein Mann, der zu seiner Familie möchte. Seine Hauptfigur ist aber nicht allein, er wird von einer Soldatin, einen pensionierten Briefträger, einem weiteren Familienvater und einem schottischen Hünen begleitet. Dieses Team muss sich nicht nur zusammenraufen, nein, es muss sich auch immer wieder neuen Gefahren auf ihren Weg stellen. So kämpfen sie nicht nur mit ihrer körperlichen Konstitution oder der Suche nach Lebensmittel, sondern auch mit Menschen die ihren Weg kreuzen, und die ihre Menschlichkeit verloren haben. So herrschen oft Gewalt und Machtmissbrauch vor, das Misstrauen untereinander wächst und die Anderen lassen alle Hemmungen fallen, um zu überleben.

Der Autor erzählt düster, unverblümt und oft mit zu vielen Worten seine Odyssee von Schottland nach Cornwall. Mir persönlich hat die Idee und auch seine Figuren richtig gut gefallen, er spielt hier mit vielen unterschiedlichen Gefühlen und lässt so eine Entwicklung mitlaufen. Es ist ein beschwerlicher Weg und auch für mich als Leser nicht immer einfach, die Dynamik war gut, aber oft waren die Begegnungen ein bisschen zu lang, oder zu viel, dabei schweift er gern noch ein bisschen ab und so zog sich die Geschichte in die Länge. Für mich hätte es ein bisschen kürzer sein dürfen, das hätte dem Spannungsbogen ein bisschen besser getan. Aber sein absoluter Clou ist Edgar, der vom Couch-Potato über sich hinauswachsen muss, um endlich sich und seine Familie zu finden.

Für alle, die gern jemanden anfeuern, mitleiden und die Liebe und Hoffnung erleben wollen, in einer düsteren Zeit, ist das genau die richtige Lektüre.
 
Henry und ich fanden diese Seelentour richtig gut und so vergeben wir vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 


Adrian J Walker wurde Mitte der 70er Jahre in einem Vorort von Sydney geboren, verbrachte aber einen guten Teil seiner Jugend in England. Er studierte in Leeds, arbeitete als Informatiker und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in London.
 
Quelle: TOR Verlag


Vielen lieben Dank an den TOR Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Freitag, 19. August 2016

Rezension: M.R.C. Kasasian * Mord in der Mangle Steet

Gebundene Ausgabe: 397 Seiten
Verlag: Atlantik 
ISBN-13:
978-3455600513  
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: August 2016
Übersetzer: Johannes Sabinski & Alexander Weber




Inhalt:
March Middelton ist nach dem Tod ihres Vaters allein und kann das Haus mit dem Anwesen von ihren spärlichen Vermögen, nicht halten. So greift sie auf das Angebot ihres Patenonkels zurück und zieht zu ihm nach London. Nun ist ihr Vormund kein unbeschriebenes Blatt, denn Sidney Grice, ist der berühmteste Detektiv von ganz England und liebt es knifflige, gut bezahlte Fälle zu lösen. Kaum ist March angekommen, wird sie auch schon in einem Fall unfreiwillig hineingezogen und erlebt die Ermittlungen hautnah mit. Der Fall ist für Sidney schnell klar, ein brutaler Mord an einer Frau und nur der Ehemann kann die Schuld haben und muss der Mörder sein. March zweifelt sehr an dem Können ihres Patenonkels und hält dagegen, unmöglich kann dieser treue gutherzige Mann, etwas mit dem Verbrechen zu tun haben. Wer von beiden wird wohl recht haben? Wird eine Zusammenarbeit überhaupt funktionieren? Und kann, sich March überhaupt, in dieser Männerwelt durchsetzten, oder sogar behaupten?

Meinung:

Ich habe ja einem Faible für alte Detektivgeschichten und liebe einfach die Klassiker, Sherlock Holmes, Miss Marple und wie sie alle heißen. Nun sprach mir dieses Cover, und der dazugehörige Inhalt direkt an und ich dachte mir, das könnte doch was für mich sein. Als ich die ersten Seiten gelesen hatte, legte sich ein leichtes Lächeln auf mein Gesicht und ich konnte damit nicht mehr aufhören.

Wir befinden uns im London des Jahres 1882 und die Atmosphäre wurde hier herrlich eingefangen, man konnte die Pferdekutschen vorbei fahren hören, die dunklen schmutzigen Ecken riechen und das Feuer im Kamin vor Augen sehen. Sprich, man befand sich mitten im alten London und hoffte, für die Geschichte, die richtigen Schuhe gewählt zu haben, um mit den beiden Ermittlern mithalten zu können. Dieses Flair und das ganze drum herum hat richtig Spaß gemacht und knüpft auch an die große Zeit der beliebtesten Detektivgeschichten an. Man taucht einfach ab, in eine andere Welt und lässt sich berauschen, aber der absolute Star des Ganzen sind die Figuren.

Sidney Grice, ist unsympathisch, arrogant, total von sich überzeugt und weckt einfach eine große Abneigung. Dazu kommt noch, dass er klein und dünn ist, ein Glasauge trägt und mega eitel ist. Er sieht einfach gerne auf Leute herab, macht sich über sie lustig und meint es mit seiner Umwelt nicht immer gut. Das zumindest ist der erste Eindruck, denn er versucht lange seine Ego-Fassade aufrechtzuerhalten, aber im Laufe der Geschichte fängt sie doch an zu bröckeln, das macht ihn am Ende nicht zum netten Mitmenschen, denn seine Hintergründe sind nicht immer die Edelsten, aber es weckt Interesse, große Neugier beim Leser, was noch alles im verborgenen bei Sidney lauert und was wirklich hinter seiner überheblichen Fassade steckt.

Aber der heimliche Star des Ganzen ist, für mich, March Middelton. Eine junge Frau, die in ihre Zeit nicht ganz passt und etwas unkonventionell daher kommt. Ihr Vater war Arzt und auch in Indien, dorthin hat er auch seine Tochter mitgenommen, dadurch hat sie schon viel erlebt und gesehen und doch muss sie sich als Frau klein machen, in der Gesellschaft der Männer. Aber March lässt sich vieles nicht gefallen und schlägt mit ihrem Mundwerk, ihrem Humor und ihren Tricks zurück. Außerdem raucht sie ganz gern und ein Gläschen Gin gönnt sie sich auch. Sie ist eine toughe Frau, aber auch sie hat ihre Geheimnisse und trägt eine traurige Vergangenheit mit sich rum. Ich mochte sie von der ersten Seite an und habe bei jedem kleinen Erfolg von ihr, mit gejubelt.

Das Zusammenspiel von Sidney und March macht die Geschichte außergewöhnlich und sehr unterhaltsam. Ihre Wortgefechte, ihr Augenrollen, ihre Fragen, seine Seufzer über die dummen Frauen, seine allein Gänge und seine arrogante Art, macht dieses Buch zu einem wahren Lesegenuss. Ich persönlich würde sie nicht mit anderen Ermittlern zu dieser Zeit vergleichen, denn der Autor hat hier wirklich was Eigenes geschaffen, was sich nicht verstecken muss und kein Abklatsch von alt Bekannten ist. Es lies sich schnell und flüssig lesen, trotz der gewählten etwas steifen Ausdrucksweise und passte sich somit wunderbar ins Bild. Auch der Fall gestaltete sich interessant und war wirklich kniffelig.

Dieses Buch lebt von der tollen Atmosphäre, den wirklich interessanten Figuren und dem schwarzen Humor. Und obwohl es manchmal ein paar Längen hatte und man sich fragte, was kommt noch, hatte ich wirklich Spaß an der Geschichte. Hier können wir wirklich noch auf einiges gespannt sein, denn die Bewohner der Gower St. ermittelt bestimmt wieder.
 
Henry und ich fanden dieses Duo höchst gelungen und vergeben die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:   

MRC Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen. Er hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter lebt er in Malta. Sein Roman Mord in der Mangle Street ist der Auftakt einer Reihe. 
  
Quelle: Atlantik Verlag

Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für dieses Rezensionsexemplar.