Freitag, 26. Mai 2017

Rezension: S.E. Durrant * Der Himmel über Appleton House


Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Königskinder
ISBN-13:
978-3551560308
Preis: 16,99 EUR
E-Book: 11,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: März 2017
Übersetzer: Katharina Diestelmeier 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Ira und Zac sind Geschwister und Waisenkinder. Die beiden zu vermitteln, ist ziemlich schwer, da sie zusammenbleiben wollen und nicht mehr so klein sind. So werden sie von einer Pflegefamilie zur Nächsten weitergereicht, bis sie am Ende in einem Kinderheim landen. Skilly House, kommt einem Richtigen zu Hause schon recht nah, aber es ist trotzdem nicht dasselbe. Sie sehen, wie Kinder kommen und gehen und bleiben selbst zurück. Je älter sie werden, umso mehr schwindet die Hoffnung, aber dann dürfen sie eine Woche in den Urlaub fahren, zu Martha nach Appleton House. Wird sich hier ihr Schicksal wenden? Werden die Geschwister ein zu Hause finden? Und wird der Himmel für sie aufbrechen, damit noch mehr Träume in ihr Leben fallen?

Meinung:
Eine Geschichte über zwei Waisenkinder, für mich eine total neue Erfahrung, denn ich hatte eine Familie und bin wohl behütet aufgewachsen, umso gespannter war ich auf diese Erfahrungen. Wie ist es keine wirklichen Vorbilder zu haben, sich selbst im Leben einzufinden und ohne Geborgenheit und Liebe der Eltern aufzuwachsen?

Ira ist die Ältere, der beiden Geschwister und erzählt uns ihre Geschichte, wie eine Art Tagebuchauszug. Über ihre Eltern wissen sie nichts, immer wenn sie sich an eine Pflegefamilie gewöhnt haben und Zuversicht gefasst haben, mussten sie wieder weg. Vor dem Kinderheim hatte sie am meisten Angst und wurden überrascht, dort ist es nicht so schlimm, wie erwartet. Es sind nicht so viele Kinder da und ihre Betreuer geben sich reichlich mühe, für jeden da zu sein und zu geben, was sie brauchen. Für Ira und Zac wird Skilly House ein zu Hause. Aber trotzdem fühlen sie sich verloren, je mehr Kinder sie kommen und gehen sehen, nimmt ihre Verzweiflung ein eigenes zu Hause zu finden immer mehr zu. Je älter sie werden, umso mehr begraben sie ihre Hoffnungen und Träume.

Dabei muss Ira am meisten einstecken, da sie die große Schwester ist, macht sie sich immer Sorgen um Zac. Versucht für ihren überbrodelnden Bruder da zu sein und alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. So bleibt sie allerdings auf der Strecke und trotzdem entwickelt sie sich im Laufe der Geschichte. Am Anfang wirkte sie noch recht abgeklärt und hoffnungslos, ihr scheint von Anfang klar zu sein, in welcher Situation sie sich befinden und entschied für sich, still ihr Schicksal zu ertragen. Aber je mehr sie sich wohlfühlte und Zuspruch von ihren Betreuern bekam, erwacht auch die Sehnsucht nach einem richtigen zu Hause. Und obwohl Ira eher zurückhaltend und still ist, wurde sie auch ein Halt für die anderen Kinder und verschenkt ihr Herz, trotz Angst, ihre Freunde nie wieder zusehen.

Was mich überrascht hatte, ist, dass die Geschichte in den achtziger Jahren spielt, irgendwie hatte ich Geschichten über Kinderheime, die schockierenden Tatsachen aus einem anderen Jahrhundert berichten, im Kopf. Hier allerdings ist es überhaupt nicht der Fall und das Erstaunlichste dabei, war für mich, die Vorstellung, dass ich zur fast gleichen Zeit geboren wurde wie diese beiden. Ab und zu war es für mich wirklich schwer, mich im richtigen Zeitraffer wieder zu finden, aber das ist wohl eher nebensächlich.

Wirklich großartig gelungen war die Art des erzählen‘s. Ira‘s ruhige Art zu beobachten und dann in Worte zu kleiden, ergab eine reale Sicht auf die Dinge und Begebenheiten. Man konnte trotz, oder gerade durch ihren nüchterne Sicht der Dinge, besonders mitfühlen. Ihre Gedankenwelt wurde so gut umgesetzt, dass man sich sehr in sie hineinversetzen konnte und diese Gefühle und Sorgen wurden perfekt auf den Leser übertragen, sodass man sich einfach gut in die Situation einer Waise hineinversetzen konnte. Erst spürten wir ihre Verzweiflung, dann ihre Sehnsucht und am Ende sogar Hoffnung. Je mehr man las, umso unruhiger wurde man, trotz der Ruhe von Ira, entwickelte sich gerade deshalb, solch ein Wunsch, dass die beiden doch noch einen Ort für sich finden würden.  

Eine unglaubliche Geschichte über zwei Waisenkinder, sehr ruhig, aber mit  einem geballten emotionalen und tiefgründigen Thema, das durch ein ausdrucksstarken Erzählen überzeugt und den Wunsch nach mehr Glück im Leben weckt.
 
Henry und ich mochten diese ruhige Geschichte total gern und wünschten wir könnten, Feenstaub an alle verstreun und so vergeben wir die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
 


S.E. Durrant verbrachte ihre Kindheit in Schottland. Sie hat Malerei studiert und die Welt bereist, an einem Markstand in Covent Garden gearbeitet, Kunstunterricht für Kinder gegeben und Bilder in Venedig verkauft. Heute lebt sie in Brighton.

Vielen lieben Dank an den Königskinder Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Rezension: Mats Strandberg * Die Überfahrt


Broschiert: 512 Seiten
Verlag: TOR  
ISBN-13:
978-3596295999
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Mai 2017
Übersetzer: Antje Rieck-Blankenburg




Inhalt:
Die Ostsee-Fähre Baltic Charisma legt bald ab und während sich, die Crew auf die Partygäste vorbereiten, checken die Passagiere vorfreudig ein. Auf jeder Fahrt gibt es welche, die nach der großen Liebe suchen, oder einfach den Alltagsstress vergessen wollen, aber egal welcher Grund, eins haben alle gemeinsam, sie wollen sich amüsieren. So schwappt der Übermut und die Fröhlichkeit durch die Korridore und der Alkohol fließt in strömen. Jeder hat sein Ziel vor Augen und so bemerkt kaum jemand auf dem Autodeck, wie sich eine Mutter mit ihrem Sohn an Bord schleicht und selbst wenn, ist diese Tatsache schnell wieder vergessen. Dabei müssten sie vor Angst zittern, denn nun ist auch das Böse an Bord angekommen. Was haben sie vor? Um welches Grauen handelt es sich bei den beiden? Und wird die Fähre jemals am anderen Hafen ankommen?

Meinung:
Als mir das Buch „Die Überfahrt“ vorgestellt und mir der Autor von der „Zirkel“-Trilogie genannt wurde, jauchzte ich begeistert auf. Ich kenne zwar nur den ersten Teil der Reihe, aber der Erzählstil und die unterschiedlichen Personensichten haben mich damals schon total umgehauen und mit Sicherheit werde ich diese Trilogie noch einziehen lassen, die anderen Bände muss ich nämlich noch lesen. Nun aber sind es nicht Hexen, sondern ganz andere grausame Gestalten und allein der Handlungsort ist mega gewählt. Ob sich meine Euphorie hier bestätigt, oder im Stich lässt, erzähle ich euch jetzt.

Mats Strandberg hat sich also eine Fähre gemietet, haut dort unzählige verschiedene Personen rauf und schickt dann einen kleinen ungehörigen Blutsauger los. Mehr an Geschichte gibt es nicht, aber das reicht auch völlig aus, denn er erzählt wieder alles aus verschieden Sichten und seine Figuren, sind einfach seine Stärke und die Stars des Ganzen. Wer braucht schon ein Weltraumschiff oder einen verlassenen Planeten, wenn man sich auch hier auf der Erde einen kleinen Mikrokosmos schaffen kann. So eine Fähre ist wirklich ein gut gewählter Ort, um so richtig schön in die Horrorkiste zu greifen und einen in einen Lesesog zu ziehen.

Ihr seht vorab, ich hatte meinem Spaß und das liegt wohl an seinen genial gewählten Figuren, die alle authentisch rüberkommen und einen wirklich so im Leben begegnen können. Da haben wir die Crew, Pia von der Sicherheit, alleinerziehend, geschieden, aber der Fels in der Brandung. Filip, der Barkeeper, der seinen Job liebt und hasst zur gleichen Zeit. Oder Dan Applegren, den gefallenen Schlagerstar, der auf dieser Fähre in der Karaokebar arbeitet, weil er sonst keine Angebote mehr hat und sich sein Elend mit Kokain und Groupies versüßt und dabei alle hasst. Außerdem mit dabei ein alter Angestellter, Calle, der es vom Schiff geschafft und seine Träume verwirklicht hat und nun will er seinen Freund einen Antrag an Bord machen. Zudem gibt es auch noch die andere Sicht der Passagiere, Madde zum Beispiel will mit ihrer Freundin Party machen und nicht mehr an ihre bevorstehende Kündigung denken. Oder Marianne, die zu Hause allein ist und sich selbst nicht mehr mag und spontan ein Ticket gebucht hat und dann Göran kennenlernt. Und Albin ein zwölfjähriges Adoptivkind, was nicht nur mit den Eltern Stress hat, die Mutter im Rollstuhl und der Vater ist nicht nur Alkoholiker, sondern seine Cousine Lo ist mit dabei, früher seine beste Freunde und nun ist sie zum Teenager herangewachsen und scheint für ihn unerreichbar zu sein. Alle zusammen interessante Persönlichkeiten, die allein durch ihr Leben Seiten füllen könnten und dann in eine Katastrophe schippern.

Zu erst dachte ich noch, das wird was geben, wenn ich nur ständig die Sorgen und Probleme der anderen lese, oder über dieses Party geile Volk, aber allein da, schafft es schon der Autor einen an die Seiten zu fesseln. Er spielt sehr geschickt seine erzählerischen Karten aus und verwickelt einen immer mehr auf dieses Schiff und seine Besatzung. Während er langsam Fahrt aufnimmt und berichtet, wie es zum ersten Opfer kommt, haben wir alle wesentlichen Figuren kennengelernt und wissen, wie es in ihnen drinnen aussieht und dann folgt alles, Schlag auf Schlag. Eine Figur wechselt die nächste ab, bei der höchsten Spannung gibt es einen Kat und er schreibt über den nächsten und zwischen drin gibt es immer wieder einen Kurzbericht von der Baltic Charisma, unglaublich spannend und fesselnd, besser finde ich, geht es nicht.

Er schafft ein richtiges Szenario, schwört eigene Ängste und Bedenken herauf und ganz ehrlich ein besseres Kopfkino kann es nicht geben, man sitzt mit seinem Buch da und knabbert vor Aufregung an den Fingernägeln, stöhnt auf, wenn es den nächsten erwischt, oder ist geschockt über seinen Blutdurst, denn magenempfindlich sollte man hier nicht sein. Wie aus einem Infizierten, so eine Epidemie werden kann, ist unglaublich und es wird von Seite zu Seite immer schlimmer und man steckt so richtig im Horrortrip mittendrin und es nimmt kein Ende. Dieser Lesesog lässt einen förmlich durch die Seiten rauschen und man wird böse über jede Unterbrechung, man will nämlich nicht auftauchen.

Für mich ein absolut hervorragendes Unterhaltungsbuch, ganz großes Kino, mit wirklich allen drum und daran, aber auf eine Fähre kriegt mich jetzt keiner mehr.
 
 
Henry und ich hatten ein rasantes Lesevergnügen und vergeben so die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:


Mats Strandberg ist der Autor der weltweit erfolgreichen Engelsfors-Trilogie (›Zirkel‹/›Feuer‹/›Schlüssel‹), die in dreißig Sprachen übersetzt wurde. ›Die Überfahrt‹ wurde in Schweden zum Überraschungsbestseller und machte Strandberg auf einen Schlag berühmt.

Quelle: TOR Verlag

Vielen lieben Dank an den TOR Verlag für das  Rezensionsexemplar. 

Mittwoch, 24. Mai 2017

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherstapler,

habt ihr euch auch schon mal gefragt, was aus euren Freunden aus der Jugendzeit geworden ist? Man glaubt ja in dem Alter an die ewige Freundschaft und malt es sich so schön aus, zusammen durchs Leben zu gehen und sich bei den gegenseitigen Träumen zu unterstützen und dann kommt das Leben und alles wird anders. Dieses Thema nimmt sich mein heutiges Wunschbuch an und erzählt über vier Freunde und deren Freundschaftsverlauf, aber schaut mal selbst:

 
Als wir unbesiegbar waren
Verlag: Dumont
Erscheinungsdatum: 19.06.2017

An der Universität sind Eva, Benedict, Sylvie und Lucien unzertrennlich. Als sie Ende der Neunzigerjahre ihr Studium beenden, glauben sie sich am Beginn eines aufregenden Lebens. Die Welt wird für sie nur das Beste bereithalten. Eva plant eine Karriere im Finanzbusiness. Sie will sich sowohl von ihrem Vater, einem bekennenden Sozialisten, als auch von ihrer unerwiderten Liebe zu Lucien befreien. Benedict verschreibt sich der Wissenschaft und hofft weiterhin, Eva für sich zu gewinnen – auch wenn er nicht so genau weiß wie. Die Geschwister Sylvie und Lucien dagegen streben vor allem eines an: ein freies Leben ohne Verpflichtungen und Verantwortung.
Doch im Laufe der Jahre sehen die Freunde sich nur noch sporadisch, alle vier sind damit beschäftigt, ihre Träume und Pläne, die das Leben zu vereiteln scheint, zu retten. Zerbrochene Beziehungen und verhinderte Karrieren bringen sie schließlich wieder zusammen, jedoch ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatten.


Ich bin ja gespannt, welche Umstände sie wieder zusammenbringt und wie sie sich alles Selbst vorgestellt haben. Was sagt ihr denn zum Buch? Habt ihr noch Kontakt zu euren Jugendfreunden? Oder hat man sich auseinander gelebt und geht andere Wege? Das Leben schreibt ja immer schon seine eigenen Geschichten. Auf jeden Fall, finde ich, dass das Buch super klingt und bestimmt so einige kleine Winks hat. 

Ganz liebe Grüße
Eure, froh den besten Freund geheiratet zu habende, Sharon