Donnerstag, 25. September 2014

Rezension: Toby Barlow * Baba Jaga

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten   
Verlag: Atlantik      
ISBN-13: 978-3455600001    
Preis: 19,99 EUR   
E-Book: 15,99 EUR   
Reihe: 1/1  
Erscheinungsdatum: März 2014




Inhalt:
Es ist wieder so weit und Zoja muss einen Liebhaber los werden. Nur leider ist sie diesmal dabei so ungeschickt, dass die Polizei auf diesen Fall aufmerksam wird. Bei ihrer Flucht schlüpft sie kurz bei einer Bekannten unter, nur ist auch dieses Zusammentreffen mit schweren Folgen verbunden, denn Elga gerät in die Ermittlungen der Ordnungshüter und sinnt dadurch nach Rache und Mord. Nur dumm das auch die Polizei Opfer bringen muss, denn nach dem Besuch bei Elga findet sich der Kommissar Vidot im Körper eines Flohs wieder. Nebenbei gerät der Werbetexter Will in große Schwierigkeiten, er arbeitet für die CIA und gerät durch seine naive und sorglose Art in große geheimnisvolle Machenschaften und ins Fadenkreuz der eigenen Leute. Auf seinen verwirrten Trip durch die Stadt lernt er Zoja kennen und für beide ist es die Liebe auf den ersten Blick, aber das Abenteuer soll hier erst richtig beginnen. Worin hat sich Will verstrickt? Wird er da durchsteigen und eine Lösung finden? Wird Zoja Will bekommen und wird er es überleben? Was ist mit Elga, kann sie Rache nehmen? Wie wird es Charles Vidot als Floh ergehen? Kann er auch so weiter ermitteln? Und was hat das alles mit Hexerei zutun? 

Meinung:
Dieses Buch hat es mir wirklich sehr schwer gemacht und ich bin immer noch am Rätseln, wie ich es finden soll. Denn eigentlich liebe ich verrückte und skurrile Geschichten und kann mich gut in verschiedene Welten rein denken, aber hier hatte ich wirklich meine Probleme. Zum einen muss ich wirklich sagen, das ich froh war den Klapptext gelesen zu haben, denn er verrät wirklich die wichtigsten Eckdaten und diese aus der Geschichte heraus zu lesen, war nämlich gar nicht so einfach.
Wir sind also in Paris der fünfziger Jahre, das keiner von den Protagonisten verlassen möchte, aber jeder muss aus verschiedenen Gründen seine Tasche widerwillig packen. Zwei Hexen treiben ihr Unwesen, davon ist die eine sehr hübsch und lebt von dem Geld ihrer Liebhaber und die andere ist älter, verschrobener und kann der Menschen- und Männerwelt nichts abgewinnen. Sie sind sehr unterschiedlich, aber beide haben etwas Böses, Berechnendes an sich. Ich hätte mir hier einfach was Magischeres gewünscht, vielleicht eine gute und eine böse Hexe, oder mehr verzaubert. Ihre Zauberkunst ist nämlich alles andere als märchenhaft, eklige Zutaten, komische Rituale, oder wir bekommen den Hokuspokus nur durch die Augen von Dritten erzählt. Da ich ein Faible für russische Märchen habe, hatte ich mir da irgendwie was anderes versprochen, aber nun gut es gibt ja noch mehr.
Allein die Geschichte von Will fand ich so verworren und undurchdringlich, teilweise unverständlich, dass es mir manchmal schwer viel den Faden zuflogen und nicht darüber einzuschlafen. Was ich extrem schade fand, weil er eigentlich die sympathischste Figur im ganzen Roman war. Seine naive Art, und seine Gutgläubigkeit bringen ihn in große Schwierigkeiten, aber seine Entwicklung hatte mir am besten gefallen. Er ist zu Anfang ein junger unentschlossener Spund, der in eine große Spionageaffäre hineingezogen wird, die Liebe seines Lebens findet und um das alles zu bewältigen, einfach wächst, je mehr schlimme Dinge passieren, Will versucht sein Bestes und das hatte mir an ihm gefallen.
Aber warum konnte mich diese Geschichte nicht tragen, warum nur nicht fesseln, warum einfach begeistern und mich in diese Zeit in Paris mitziehen.
Ich befürchte fasst, das es am überschwänglichen Schreibstil des Autors lag, seine Abschweifungen, seine sprachgewaltigen Worte und seine vielen Figuren, die alle eine Stimme bekommen haben. Tja, aber eigentlich mag ich viele Figuren und viele Sichten und ich mag auch eine schöne bildliche Sprache, aber es war zu viel des Guten für mich. In manchen Kapiteln ist unser Autor mit seinen Figuren so abgeirrt, das wir Tausende Rückblenden und Lebensgeschichten bekommen, das es einen einfach zu viel auf Dauer wird und man beim Lesen denkt „Och, nicht schon wieder“. Außerdem fand ich seine Sätze oft so überladen, von eigentlich tollen Wörtern, dass sie für mich nicht mehr so besonders waren, ich war überfüllt, satt und wollte einfach nicht mehr. Durch dieses Aufbauschen von bildgeladener Sprache und seinen durchweg vielen Rückblenden, seine Verliebtheit in seine Figuren, wurde der Kern der Geschichte oft verloren und einfach zu einen anstrengenden, langweiligen und widerwilligen lesen. Mann hatte durch die ganzen Verschnörkelungen, Probleme zu folgen und überhaupt das geschehende zu verstehen.
Also ganz ehrlich ich bin ein wenig enttäuscht, dabei fand ich die Buchgestaltung und den Klapptext so toll. Die Grundidee und die skurrilen Einfälle waren durchweg sehr einfallsreich und ich glaube, wäre die überladene Sprache nicht gewesen, um es einfach flüssiger zu machen, hätte ich auch Lesespaß dabei gehabt, so musste ich mich sehr durchkämpfen. Schade für mich, denn der Mix, aus Spionagethriller, Liebesgeschichte und Fantasie hätte mir sonst richtig gut gefallen. Wer aber genau das mag und skurrile Figuren noch dazu, ist hier genau richtig.

Henry und ich konnten den Zauber zwischen den Seiten nicht finden und geben nur zwei Bücherpunkte:

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Über den Autor:

  
Toby Barlow ist Creative Director einer Werbeagentur in Detroit und schreibt für das Literaturmagazin n+1 und für die Huffington Post. Sein mehrfach ausgezeichneter Debütroman Sharp Teeth erschien 2008 in den USA. Baba Jaga ist sein zweiter Roman. Toby Barlow lebt in Detroit und New York.


Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für das  Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

  1. Salut, Inga.
    Dein Eindruck von der Überambition des Autors läßt sich auch durch diverse Meinungsäußerungen anderer lesen; hier scheint jemand das Füllhorn seiner Eindrücke & Ideen nicht durch ein Sieb passieren zu wollen. Das Lektorat lag dabei wohl auf Eis.
    Als Randbemerkung nur...
    ...auch wenn es nicht zum "literarischen" Größenwahn A-zones passen mag, aber Verlage haben durchaus ihre Gründe zu existieren - lektorieren ist nur ein einziger davon.

    Nur schade, daß dies Buch nun Dein leserischer Einstieg (?) bei Atlantik war...

    bonté

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    1. Servus Robert,

      oh, ich möchte da weder Autor noch Lektorat ankreiden .. ganz im Gegenteil. Es gibt bestimmt ganz viele die diesen Zauber spüren, nur ich habe es halt nicht und nach meinen Geschmack war es zu überladen, aber das ist nur meine Ansicht ... Viele mögen aber solch eine Ausschweifung und haben bestimmt ganz viel Spaß damit ;-)

      Es war übrigens nicht mein Atlanik einstieg ...lach... das war "Das Leben ist ein liestiger Kater" und das war genau meins :-) Also alles gut und hier liegen ja auch schon weitere Schätze vom Verlag.

      Ganz liebe Grüße und schönen Abend
      Inga

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    2. ...ich schätze Subjektivität in einer Rezi ausgesprochen. Ist mir lieber als ein nicht auf den Punkt kommen. Weil lebendiger. Ob ich (zB) jetzt d'accord bin, ist dann zweitrangig; wichtig ist für mich Dein Eindruck. Wie der jeder anderen Bloggerin, die ich lese.

      Jetzt erinnere ich mich wieder. :-)
      Sieh mich demnach gespannt auf Deine weiteren Eindrücke!

      bonté

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    3. Hallo Robert,

      ich bin spät dran ...seufz...
      Ganz lieben Dank, das gibt mir richtig Mut. Manchmal weiß man einfach nicht wie andere darauf reagieren... aber ich versuche immer meine Meinung zu begründen und hoffe das es verständlich ist :-)

      So mach dir noch einen schönen Sonntagabend
      Inga

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