Donnerstag, 21. April 2016

Rezension: Peter Goldammer * Der Zirkus der Stille


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Atlantik
ISBN-13:
978-3455600438
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: April 2016
 
 
 
 
Inhalt:
Thais erreichte eine schlechte Nachricht, ihre Großmutter ist verstorben und sie als einzige Erbin muss aufs Land und in die Vergangenheit reisen. Eigentlich wollte Thais das alles hinter sich lassen, ihre furchtbare Kindheit, das Zirkusleben und ihre trinkende Großmutter und jetzt steht sie da, vor einem Testament, was es ihr nicht leicht macht und sie vor einige Rätsel stellt. Ihre Großmutter war nicht nur zu Lebzeiten eine beeindruckende Frau, sondern auch die unvergleichliche Madame Victoria aus dem Zirkus und auch am Ende macht sie ihren Namen alle Ehre und offenbart ihrer Enkelin ein Geheimnis, aber natürlich bleiben mehr Fragen für Thais offen, als das sie eine geklärt bekommt. Welches Geheimnis hat Victoria immer verborgen? Was wird Thais erfahren? Und kann sie mit der Vergangenheit abschließen? Wohin wird sie das alles führen?

Meinung:
Ich bin ja ehrlich gesagt kein Freund von Zirkusgeschichten und auch nicht vom Zirkus. Für mich ist dieses Leben so fremd und ganz schwer vorstellbar. Außerdem mag ich den Geruch oft nicht und allein der Gedanke immer eine gute Show machen zu müssen, mit einem Lächeln, schrecklich. Ganz ehrlich, diese Faszination erschließt sich mir nicht, aber natürlich, gibt es auch bei mir Ausnahmen, denn bei Akrobatik schau ich schon gern zu. Aber hier sprach mich einfach die Hauptfigur an, eine junge Frau, die damit aufwächst und auch nichts damit anfangen kann, da wollte ich natürlich mehr darüber wissen und so musste ich dieses Buch unbedingt lesen.

Thais ist also im Zirkus bei der Großmutter aufgewachsen und hatte sehnlichst den Wunsch, diesen sofort zu verlassen, wenn sie volljährig ist. Was sie auch tut und alles hinter sich lässt, ich fand es total verständlich, denn ihre Großmutter trank, hatte kein Verständnis für ihre Enkelin und nahm sie mehr auf den Arm, als ihr Liebe und Zuneigung zu geben. Außerdem hat Thais nie erfahren, wer ihr Vater war und ihre Mutter ist früh gestorben. Man fragte sich bei den ersten Seiten immer, warum die Großmutter ihr es nicht verraten hat, wer war ihr Vater, was ist damals passiert und warum benimmt sie sich ihrer Enkelin so unnahbar gegenüber. Dieses große Geheimnis schwebt förmlich greifbar über allen und doch entflieht es beim Lesen immer.

So muss sich Thais also mit ihrem Erbe und Victorias Geheimniskrämereien auseinandersetzten und findet Stück für Stück ein bisschen mehr ihr eigenes Leben zurück. Thais denkt über ihre Vergangenheit nach, über ihre Gegenwart, und wie das alles zusammenspielt und natürlich die große Aufgabe, die ihre Großmutter zurückgelassen hat, nämlich die Reise zu ihren Wurzeln.

In dieser Geschichte sorgt der Zirkus nur für den Rahmen und macht Platz für Peter Goldammers Familiengeschichte. Er erzählt leichtfüßig, ruhig und doch fesselnd über die ungewöhnliche Zusammenstellung dieser Zirkusfamilie und lässt seine Hauptfigur eine Reise zu sich selbst antreten. Alles was immer im Dunklen lag, öffnet sich und langsam erwacht das Verständnis und der eigene Wille, was Thais im Leben überhaupt möchte, ob es wirklich immer Normalität war. Mir hat diese Entdeckung unheimlich gut gefallen und viele Stellen waren einfach unglaublich toll und ich empfand das in der Geschichte, soviel noch mehr steckte. Allein das Zusammenspiel der vielen Kulturen fand ich ganz stark in Worte dargestellt und ist aktueller denn je. So fand ich die Geschichte gut gewählt, mit vielen kleinen Weisheiten und Lebenserkenntnissen bestückt und doch hat mich das Ende was unschlüssig zurückgelassen. Ich muss gestehen, ohne was verraten zu wollen, das mir diese Mischung teils aus Fiktion und Realität immer etwas schwer fällt zu verstehen, die Grundaussage verstehe ich schon, aber der Rest schwebt immer ein bisschen in der Luft und so war es für mich leider auch hier, was aber immer Geschmacksache ist.

Ein starkes Debüt, mit einer tollen Sprache und wunderbaren Ansätzen, der einen manchmal zum Lachen bringt, oder auch melancholisch stimmt. Dieser Besuch in der Manege hat sich auf jeden Fall gelohnt und zeigt wieder mal, dass das Leben wie ein Zirkus ist.

Henry und ich hatten artistische Lesestunden und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:

Peter Goldammer, 1957 in Hamburg geboren, ging als Werbetexter in die Schweiz, baute danach eine der größten deutschen Werbeagenturen auf und lebt als freier Autor in Hamburg. Der Zirkus der Stille ist sein erster Roman.


Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für dieses Rezensionsexemplar.  

Kommentare:

  1. Bore da, Inga.
    Zirkus hat man/frau im Blut. Was sowohl für das Publikum wie erst recht für die Macher gilt. Ein fahrendes Zuhause für die Sehnsucht nach dem Fernen.
    Wobei mich in den Zirkus auch noch keiner gebracht hat; was bei einem Reisemuffel auch nicht wundern kann. :-)

    Wobei die Suche nach den Wurzeln der eigenen Vergangenheit stets von Interesse bleibt; in welchem Milieu auch immer.

    Selbst für Zirkusmuffel gibt es allerdings einen sehenswerten Film von 1951..."Die größte Schau der Welt". :-)

    Und Sir Dexter kann Pfote, wie ich sehe!

    bonté

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    1. Servus Robert,

      da haben wir wohl eine ähnliche Einstellung zum Zirkus. Ich kann mich auch nicht damit so richtig anfreunden und geniesse dann doch lieber ein Buch ...lach...

      Genau das hat der Autor auch richtig gut erzählt und so war ich doch sehr begeistert, auch wenn mich das Ende ein bisschen gedämpft hatte ...lach... und natürlich gibt es einen Filmtip ... Danke!

      Dexter hat doch tolle große Pfoten, die kann er auch mal zeigen ;-)

      Liebe Grüße
      Inga

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