Montag, 20. November 2017

Rezension: Martin Krist * Böses Kind

Taschenbuch: 324 Seiten
Verlag: Selfpublishing
ISBN-13:
978-3745035292
Preis: 9,99 EUR
E-Book: 2,99 EUR
Reihe: 1. Henry Frei Fall
Erscheinungsdatum: November 2017
 
 
 
 
Inhalt:
Suses Leben wächst ihr von Tag zu Tag noch mehr über den Kopf. Die Trennung von ihrem Mann, dazu noch die Kinder mit einer pubertären Tochter, einem quengligem Kleinkind und noch einem Baby dazu. Alles ist zu viel, alles wird schwer und dann auch noch Sorgen im Job, den sie doch so dringend braucht. Aber das alles wird noch getoppt, denn ihre Tochter ist auf einmal verschwunden. Zur gleichen Zeit arbeitet das Team von Kriminalhauptkommissar Henry Frei an einem schweren Fall, der jetzt endlich gelöst zu sein scheint, und ihm doch noch Kopfzerbrechen bereitet. Dafür bleibt ihm aber wenig Zeit, denn ein neuer Fall erfordert seine Aufmerksamkeit. Ein Opfer wurde gekreuzigt und erschlagen aufgefunden und führt über Umwege zu Suse. Wie hängt der Fall zusammen? Welche Familiengeheimnisse müssen Henry Frei und sein Team aufdecken? Wird es noch mehr Opfer geben? Und werden sie die vermisste Tochter finden?

Meinung:
Was Neues von Martin Krist, und meine Krimiseele jauchzt begeistert auf. Bis jetzt habe ich die Bücher keines Krimiautors so gern verschlungen wie die Geschichten von Krist. Er ist einfach ein Garant für spannende Unterhaltung, die einem durch die Seiten rauschen lässt und ein Berlin einfängt, das zum Greifen nah scheint. Dazu noch seine geschickten Verknüpfungen und die gut portionierten Kapitel, die kleinen Cliffhanger und Marotten der Hauptfiguren machen ihn einfach zu Mr. Crime. Diesmal mit einem neuen ErmittlertTeam in alter Kulisse, ich war gespannt. Ob er mich wieder begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt.

Natürlich fängt sein Buch auch direkt wieder mit einer Eröffnungsszene an, die einen erschaudern, ekeln und trotzdem gebannt weiter lesen lässt. Das kann Martin Krist ja immer perfekt, da der Leser sofort denkt:Was ist passiert? Wer ist diese Person? Und oh mein Gott, wie wird das enden? So stürzt man förmlich in den Fall und prescht mit Feuereifer voran. Aber wer den Autor ein bisschen kennt und schon eines seiner Werke gelesen hat, sollte vorsichtig mit den Vermutungen sein, denn man weiß nie, in welcher Zeitebene manche seiner Erzählstränge spielen. Das macht er so perfekt, dass es immer schwer ist, alles auf den ersten Blick zu entwirren.

Aber nicht nur das ist sein Steckenpferd, nein, Martin Krist hat eine beindruckende Gabe, Umgebung, Personen und ihre Alltagssorgen zu beschreiben. Ich bin immer wieder so erstaunt und überrascht, wie nah mir alles vorkommt und wie ich mitten rein stolpere und nur den Arm ausstrecken müsste, um Personen und Dinge berühren zu können. Er beschreibt Suses Leben so authentisch, dass man es absolut nachvollziehen kann. Man spürt die Verzweiflung, aber auch die Wut über die Welt und doch auch den Kampf um die eigene Existenz. Diese Zwischengefühle von Schuld und Unwissenheit stellt er so gut dar, dass man Suse in den Arm nehmen möchte, um zu trösten. Und dann sehen wir sie durch die Augen der Ermittler und erleben eine ganz andere Sicht. Dieses Spiel mit dem Leser, dieser unglaublich geniale Erzählstil machen aus einem kleinen Fall einen richtigen atmosphärischen starken Krimi, und man will nicht loslassen.

Dann kommt auch noch ein neuer Ermittler an Board. Ich muss gestehen, dieser Henry Frei gefällt mir ausgesprochen gut. Zu meiner Schande muss ich nämlich sagen, dass ich nicht so ein Kalkbrenner-Fan bin, obwohl - das stimmt jetzt auch nicht so wirklich. Kalkbrenner ist schon ein netter Kerl, aber mir nicht so sympathisch, da fand ich jetzt Frei bei weitem interessanter und allein als Person spannender. Er hat wohl auch so seine Vorgeschichte. Er ist etwas unterkühlt, aber extrem organisiert und hat gern alles unter Kontrolle. Dazu kommen noch seine Macken, wie immer seine Kleidung glatt zu streichen, die Mittelkonsole in seinem Auto manisch zu sortieren und einen gewissen Regelgang in seinem Leben einzuhalten. Gut fand ich auch, dass er verheiratet ist, und zwar mal glücklich und zwei Kinder hat. Im krassen Gegensatz dazu ist seine Kollegin, chaotisch, gerade Mutter geworden, ständig übermüdet und sie verteilt gern ihren Kram überall. Das führt zu manchen Augenrollenaugenblicken und heitert das Lesen gerne mal auf. So lernen wir neue Figuren kennen, aber treffen auch alte Bekannte wieder, immerhin hat die Mordkommission viele Abteilungen, aber nur einen Pathologen und eine Spurensicherung.

Machen wir es kurz, ein absolut gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe und wir können uns da noch auf einiges freuen, denn das Ende war mit einem kleinen Cliffhanger bestückt. Martin Krist beherrscht einfach sein Handwerk und hat mir wieder richtig gut gefallen, ein tolles neues Team und ein spannender Fall, aber ich denke, der Krist läuft erst warm und lässt es noch richtig krachen. Ich freu mich darauf.

Henry und ich fanden den Auftakt richtig stark und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:

Martin Krist ist das Pseudonym eines erfolgreichen Schriftstellers aus Berlin. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte in unterschiedlichen Genres Bücher. Nach einer Biografie über eine Rotlichtgröße aus dem Ruhrgebiet, über Tattoo-Theo, über die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain sowie zahlreichen anderen Buchprojekten, konzentrierte er sich ab 2005 auf Krimis und Thriller.
 
Quelle: Amazon


Vielen lieben Dank an Martin Krist für das Rezensionsexemplar. 

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