Donnerstag, 17. August 2017

Rezension: Sonja Heiss * Rimini


Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: KiWi
ISBN-13:
978-3462050448
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: August 2017 



Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Hans, ein erfolgreicher Anwalt, der verheiratet ist und zwei goldige Kinder hat, erweckt alte Wutanfälle wieder zum Leben. Alkohol soll ja auch in schwierigen Situationen helfen, aber je weiter er es vorantreibt, umso mehr spielt ihn sein Leben ins Abseits. Und ausgerechnet jetzt steht Weihnachten vor der Tür und Schwester Masha und seine Eltern kommen auf Besuch. Während Masha auf der Fahrt merkt, das sie einen unbändigen Kinderwunsch hat und dieses sofort in Angriff nimmt, kommen die Eltern bei Hans an. Gerade haben sie die Rente erreicht und versuchen sich in diesem Alltag einzurichten. Natürlich kommt es zu Spannungen und Missverständnissen und jeder nimmt seinen Lebenszweig anders in die Hand. Hans geht zur Psychoanalytikerin. Ob ihm das hilft? Masha merkt, das ihr Freund sie eigentlich nur noch nervt, und begibt sich panisch auf Männersuche. Ob dieser Weg überhaupt funktionieren kann? Tja und die Eltern haben auch so ihre Schwierigkeiten, Alexander fühlt sich einsam und klammert und Barbara nimmt die Beine in die Hand und ist auf der Flucht. Wird es hier auch noch eine Lösung geben? Oder wird eine Katastrophe eingeleitet?

Meinung:
Ich möchte ganz ehrlich sein, mir ist das Buch zuerst bei der Lektorin aufgefallen und das, hat mich schon unglaublich neugierig gemacht. Außerdem ist das Cover so wunderbar außergewöhnlich und fällt durch seine Andersartigkeit sofort ins Auge. Tja, und wenn man sich den Klappentext widmet, muss man es einfach lesen wollen. Zumindest war es bei mir so, und ob ich meine Freude daran hatte, erzähle ich euch jetzt.

Hans hat hart gekämpft, um dort zu sein, wo er jetzt ist, nämlich in der Statushölle. Erfolgreich ja, aber glücklich? Seine Frau darf er nicht mehr anfassen, seine Partner finden, er macht zu wenig Umsatz und vor seinen Kindern, darf er nicht fluchen. Je mehr er sich eingeengt fühlt, umso unbeherrschter agiert er. Da kann auch schon mal ein Bleichstift brechen, oder ein Tennisschläger den Falschen treffen. Und zum Allen übel, setzt ihn seine Frau die Pistole auf die Brust und schickt ihn zur Psychoanalyse. Allerdings passt ihm das gar nicht und so gibt es wunderbare Streitgespräche zwischen Ärztin und Patient. Außerdem stellen sich Gefühle ein, die so nicht beabsichtigt waren und für einige neue Erkenntnisse sorgen.

Masha ist 39 und Schauspielerin, nur hat sie schon ewig nicht mehr gearbeitet und lebt mit ihrem Arzt Freund Georg glücklich zusammen. Nun ist aber der Kinderwunsch da und Masha, fühlt sich von ihrem Freund abgestoßen. Alles ist ihr zu wieder, der Geruch, die Geräusche und die Gespräche. Sie trennt sich und sucht verzweifelt nach jemand Neuem und versucht durch akrobatischen Bettsport, denn perfekten Vater zu finden, aber ist das eine gute Idee. Außerdem nerven sie die Eltern und stellen immer ihre Probleme über ihre eigenen. Keiner nimmt sie ernst und so steigert sie sich immer mehr in ihre eigene Welt hinein.

Alexander und Barbara sind damals eine Vernunftehe eingegangen und haben sich aber mit den Jahren arrangiert. Nun glucken sie aber aufeinander und nicht jeden schmeckt der Rentenalltag. Während sich Barbara erdrückt fühlt und sich mehr als Gefangene sieht, sucht sie einen Weg, um auszubrechen. Dagegen fühlt sich Alexander schon einsam, wenn er allein im Raum ist. Als Barbara sich freischwimmt und sich ihren Alltag anders gestaltet, ahnt sie noch nicht wirklich, welche Folgen das haben wird.

Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, wie großartig ich diesen Roman finde. Die Figuren sind zum Greifen nah und dadurch, dass wir jeden kennenlernen, verstehen wir sie besser. Manchmal denkt man nämlich zwischendurch, Gott ist der grässlich und dann liest man durch seine Augen und ist überrascht, man entwickelt eine Bindung zu denjenigen. Und das ist die große Stärke, diese Feinsicht auf das Leben, diese Beobachtung und das detaillierte Wiedergeben unseres Alltags. Denn der Leser wird sich in einigen Situationen wieder erkennen, zumindest ging es mir so, viele Gedanken,   Sorgen und Szenen kommen einen einfach bekannt vor und statt diese traurig, dramatisch zu beschreiben, bringt die Autorin einen Humor rein, für den ich sie einfach lieben muss.

Diese Familiengeschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und keinen Moment Langeweile auf kommen lassen. Ein absolut gelungener Blick ins Leben, der so viel aufzeigt und statt zu erdrücken, einen Spaß macht mitzuerleben und das, obwohl mich die Eltern an meine erinnert haben, nicht immer positiv. Wie meistens, geht es um Liebe und Glück, und ob es diese Familie noch schafft, müsst ihr einfach erleben. Übrigens spielt Rimini, wenn auch nur klein erwähnt, eine gewaltige Rolle.

Herrlich realistisch, mit großartigen Figuren und ein absolut umhauender Humor. Für mich wunderbar stimmig, griffig, sensibel, warmherzig und auf den Punkt gebracht. Eine klare Leseempfehlung.
 
Henry und ich fanden die Geschichte so stark und gelungen dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
___________________________________________________________________________  
Über die Autorin:

Sonja Heiss, geboren 1976, absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München. »Hotel Very Welcome«, ihr erster Kinofilm, feierte seine Premiere bei der Berlinale 2007, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lief weltweit auf Festivals. Ihr zweiter Kinofilm »Hedi Schneider steckt fest« war für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Drehbuch nominiert und gewann in der Kategorie Beste Hauptrolle. Sonja Heiss war Stipendiatin der Villa Aurora. 2011 erschien ihr vielbeachteter Erzählungsband »Das Glück geht aus« im Berlin Verlag. »Rimini« ist ihr erster Roman. 

Quelle: KiWi Verlag

Vielen lieben Dank an den KiWi Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen