Montag, 4. September 2017

Rezension: Raoul Biltgen * Schmidt ist tot


Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Wortreich
ISBN-13: 
978-3903091313
Preis: 19,90 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2017




Inhalt:
Schmidt ist krank und liegt zu Hause in Luxemburg im Bett und will seine Ruhe, aber dann klingelt das Telefon. Ein Herr Müller meldet sich und stottert mehr schlecht als recht rum, und bevor Schmidt die Geduld verliert und auflegen will, teilt er dann doch noch mit, dass sein Bruder tot ist. Schmidt kann es nicht glauben, sein Bruder und tot, außerdem soll er nach Wien kommen, das kann doch nur ein Scherz sein. Immerhin war René ein Witzbold und hat schon manch einen makaberen Streich gespielt. Aber nach nochmaligen Bitten folgt Schmidt nach Wien und wartet darauf, dass René jede Minute aus dem Versteck springt und ihn auslacht. Stattdessen findet sich Schmidt auf dem Friedhof wieder und erfährt vom begleitenden Kommissar, dass sein Bruder ein Verbrecher war und Selbstmord begangen hat. Kann das wirklich wahr sein? Schmidt ist hin und her gerissen. Wie gut kannte er seinen Bruder? Welches Leben hat René wirklich geführt? Und warum fühlt sich Schmidt verfolgt? Wird er das Rätsel um seinen Bruder lösen können?

Meinung:
Das ist für mich der zweite Roman von Raoul Biltgen und nach einer traurigen, aber großartigen Liebesgeschichte, bekommen wir nun einen spannenden Krimi erzählt. Ich muss gestehen, ich bin etwas überrascht gewesen, aber auch extrem neugierig und konnte nicht widerstehen und musste sofort hineinschnuppern. Aber ich hätte es mir denken können, schnuppern reicht nicht aus, man liest es sofort durch. Ob es mir auch gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Patrick Schmidt ist der jüngste Sohn der Familie und ist allein zurückgeblieben. Sein Bruder ist schon früh nach Wien gegangen und kam nur selten auf Besuch und die Eltern sind früh verstorben. Danach herrschte Stille zwischen ihnen. So kann man nicht von einem innigen Verhältnis sprechen, dafür waren sich beide nie nah und die Entfernung sorgte auch noch dazu bei. So lebt Schmidt einsam für sich und fühlt sich durch die Situation sehr überrumpelt. Sein Unglaube über den Tod seines Bruders ist spürbar, er erlaubt sich sogar selbst einen Scherz und wird dafür auch noch von der Wiener Polizei gerügt. Sein Unverständnis und sein Unglaube führen ihn aber letztendlich doch nach Wien. Aber es macht, es nicht besser, seine Gefühlswelt wird nur noch mehr auf den Kopf gestellt und die Suche nach Antworten immer haltloser. Schmidt kramt in seinem Kopf nach Erinnerungen und versucht René‘s Welt zu greifen. Aber statt Antworten findet er nur noch mehr Fragezeichen und irgendwie schleicht sich Misstrauen gegenüber der Polizei ein.

Raoul Biltgen lässt uns am Anfang stutzen, zwei Brüder ohne Nähe und dann ist einer tot. Wir begeben uns mit Schmidt auf eine Reise, ohne zu wissen, wohin diese führt und krallen uns am Protagonisten fest. Lernen durch Erinnerungsfetzen René kennen und fangen selber an, an dessen Tod zu zweifeln und genau mit diesem Zweifel spielt der Autor. Diese Ungewissheit und diese Raterei macht einen verrückt und so beißt man sich an der Geschichte fest und verschlingt die Seiten. Dabei stößt der Leser auf ein wirklich brisantes Thema und lässt uns die letzten Nachrichten im Kopf Revue passieren. Wie oft kommt das Thema Verschleierung darin vor und selbst der Berichterstattung der Presse kann man doch in unserer heutigen Zeit nicht mehr so recht glauben. Aber was ist wirklich passiert? Kann Schmidt wirklich die Wahrheit herausbekommen? Und waren sich die Brüder wirklich so fremd? Diese Fragen begleiten einen ständig und lassen einen nicht los.

Ich muss sagen, Raoul Biltgen hat mir wieder gezeigt, dass er unglaublich gut erzählen kann und das, mit einer absoluten Stärke und Sogkraft. Er benutzt gern ganz bestimmte Wiederholungen und verleiht seinem Text dadurch eine unglaubliche Schlagkraft. Sein Schmidt ist am Anfang unterkühlt, unnahbar und für mich nicht ganz greifbar, aber das ändert sich im Laufe der Geschichte sehr geschickt, wir sollen ihn nicht erst mögen, wir sollen mit ihm ermitteln und dann zusammenwachsen. Je mehr man liest, umso mehr versteht und begreift man. Es ist nicht nur für Schmidt ein Puzzle, sondern auch für uns Leser, und auch wenn der Zufall manchmal zu perfekt eingebaut ist, passt es einfach. Eine Reise in die eigene Vergangenheit und dem Unglaube, das die eigenen Geschwister zu so was fähig wären. Damit kämpft Schmidt und wir gleichermaßen und wir würden auch Suchen, den was bleibt uns am Ende noch? Schöne Erinnerungen und die Wahrheit, damit das Leben weitergehen kann.

Raoul Biltgen ist ein großer Erzähler, mit dem Talent Wörter geschickt anzuwenden, um einer Geschichte die richtige Stimmung zu verpassen. Er hat seine Figuren perfekt platziert, gefühlsmäßig gut dosiert und der Geschichte den richtigen Rahmen gegeben. Fesselnd, abgründig und überraschend.
 
 
Henry und ich fanden die Geschichte wieder richtig stark und vergeben gern die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:
 


Raoul Biltgen, geboren 1974 in Luxemburg. Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien, dann Ensemblemitglied am Vorarlberger Landestheater Bregenz, anschließend Dramaturg am Theater der Jugend in Wien. Seit 2003 lebt und arbeitet er als freier Schriftsteller, Schauspieler, Theatermacher und Psychotherapeut (in Ausbildung unter Supervision) in Wien. Raoul Biltgen ist Autor einer wöchentlichen Liebes- und Sexkolumne (www.adamspricht.com). Seine etwa 40 Theaterstücke wurden bisher in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Ungarn, Griechenland, China und Mexiko gespielt. Er war bereits zwei Mal für den Friedrich-Glauser-Preis (Sparte Kurzkrimi) nominiert. 2008 stand Raoul Biltgen etwa 20 Minuten lang unter Mordverdacht. „Schmidt ist tot“ ist nach „Jahrhundertsommer“ der zweite seiner Romane, die im Verlag Wortreich erschienen.


Vielen lieben Dank an den Wortreich Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

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