Dienstag, 13. September 2016

Rezension: Melanie Raabe * Die Wahrheit

Broschiert: 448 Seiten
Verlag: btb      
ISBN-13: 978-3442754922
Preis: 16,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR 
Reihe: 1/1  
Erscheinungsdatum: August 2016




Inhalt:
Sarahs Leben steht seit sieben Jahren auf der Pausetaste, nun will sie das endlich ändern und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Eine Vergangenheit, wo es einen Ehemann gibt, eine große Liebe und ihr Philipp auf einer Geschäftsreise verschwunden ist. Sieben Jahre quält sie sich, ob er noch lebt, ob er zurückkommt, ob sie ohne ihn leben kann, nur ihr gemeinsamer Sohn hält sie aufrecht. Doch jetzt ist es Zeit alles hinter sich zu lassen und weiter zu leben und dann kommt der Anruf, Philipp lebt, er kommt zurück. Nervös steht sie am Flughafen und fühlt sich dem nicht gewachsen. Viele fremde Menschen, Reporter und dann dieser Fremde, der ihr gegenübersteht. Das ist nicht Philipp, ist ihr erster Gedanke, aber sie ist wie gelähmt und kann nicht reagieren. Erst später versucht sie es bei den Behörden und erlangt nur Unverständnis und auch der fremde Mann ist keine Hilfe, sondern droht ihr noch, wenn sie ihn auffliegen lässt, verliert sie alles, was ihr lieb und teuer ist. Wer ist dieser Fremde? Was will er von Sarah? Lebt Philipp noch? Und wird Sarah die Wahrheit heraus bekommen?

Meinung:
Endlich was Neues von Melanie Raabe, ich war von ihrem Debüt „Die Falle“ so begeistert und musste sofort anfangen zu lesen, als ich ihren Zweitling in den Händen hielt. Auf den ersten Seiten überwältigte mich auch direkt ihr wunderbarer Schreibstil und fesselte mich förmlich ans Buch. Die Geschichte ist diesmal anders, aber genauso bewegend, vielschichtig und ein Spiel mit ihren Figuren und Lesern.

Sarah ist Lehrerin, alleinerziehende Mutter und verdammt einsam. Außer ihrem Sohn und ein paar wenige Freunde hat sie niemanden. Früher war das auch in Ordnung, denn da gab es Philipp, ihren Mann, ihre große Liebe. Auf einem Konzert haben sie sich kennengelernt, am Elbufer gab es den Heiratsantrag, in Las Vegas die spontane Hochzeit und später kam Leo dazu und machte das Glück der beiden perfekt, zumindest lebt Sarah in dieser Vergangenheit. Aber nun ist Schluss damit, in einer Warteschleife zu leben, jetzt ist Zeit für einen Neuanfang, neue Frisur, vielleicht ein neuer Mann, endlich wieder Leben. Und dann bricht alles auseinander. Philipp kommt nach Hause, aber dieser Fremde kann unmöglich ihr Mann sein. Wie er sich bewegt, wie er sie anschaut, alles fühlt sich falsch an. Sarah bemüht sich Haltung zu bewahren, steckt aber in ihrem Schock fest und möchte später einfach nur Beweise, aber er weigert sich und setzt dem Panikgefühl noch die Krone auf, in dem er sie bedroht. Ich konnte mich gut in Sarah hinein versetzten, sie ist ein sensibler Mensch und genau wie ich, eine Meisterin des Verdrängens. So konnte ich ihre Gefühlswelt gut nachvollziehen, mich mit ihr durch ihre Vergangenheit kämpfen und auch der Wahrheit auf den Grund gehen.

So ist der Anfang der Geschichte, Sarahs Neuanfang gewidmet und ihren vielen Erinnerungen an einer guten Zeit. Es fällt ihr schwer los zulassen und weiterzumachen, aber das Gefühl des Aufbruchs macht sich immer mehr breiter bei ihr. Und hier kommt die Raffinesse der Autorin durch, denn sie lässt uns in einer Rückblende zu Anfang sehen und wir merken, so eine heile Welt, ist das alles gar nicht gewesen und mein Interesse war hellwach. Als dann noch dieser Fremde auftaucht, fängt das richtige Spiel erst an, und zwar nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für uns Leser. Tausend Fragen schießen einen durch den Kopf und je weiter das Szenario voranschreitet, kommen immer mehr Details dazu, die nicht unbedingt helfen.

Melanie Raabe hat sich hier wieder hervorragend ausgetobt und ihre Stärke gezeigt, uns ein breit gefächertes Puzzle zu geben und es nur ganz langsam Stück für Stück zusammenzusetzen, natürlich mit vielen Ecken und Kanten, die nicht immer passen wollen und so Spannung erzeugen. Wo ich noch beim letzten Buch gemeckert habe, das es diese Liebesgeschichte nicht gebraucht hätte, wird hier eine große Liebe ganz genau unter die Lupe genommen. Zwei ganz unterschiedliche Menschen, zwei ganz unterschiedliche Bewegungskreise und doch sind ihre Gefühle groß füreinander, aber reicht das manchmal aus. Am Anfang einer Beziehung ist ja immer alles zu schaffen, aber was kommt danach und genau dieser Thematik mit all ihren Problemen, nimmt sich diese Geschichte an und gibt dem Ganzen ihren Rahmen. Ich fand das geschickt gemacht und absolut gelungen, dazu noch das Spiel mit dem Fremden und Melanie Raabes galante Idee uns Lesern immer im Unklaren zulassen.

Diese Autorin kann einfach erzählen, einen packen, mitreißen und erst wieder loslassen, wenn die letzte Seite verschlungen ist. Dabei erlebt man die komplette Gefühlsachterbahn mit und hat ein wahres Kopfkino an Bildern mitlaufen. Man ist einfach drin in der Geschichte und spürt diese ganze Atmosphäre einfach mit und ist gebannt auf das Ende.

Diese Geschichte ist eher was für die leisen Töne, die aber unglaublich nachklingen können. Wahnsinnig fesselnd und raffiniert erzählt, mich konnte es begeistern und nun warte ich wohl wieder, auf das nächste Buch.

Henry und ich hatten packende Lesestunden mit Gänsehaut und so gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:

   
Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren, wuchs in einem 400-Seelen-Dorf in Thüringen und einer Kleinstadt in NRW auf, studierte Medienwissenschaft und Literatur in Bochum und lebt inzwischen in Köln – als Journalistin, Drehbuchautorin, Bloggerin, Performerin und Theaterschauspielerin. Sie betreibt ihren eigenen Interview-Blog (www.biographilia.com) und erhielt bereits mehrere Preise für ihr Schreiben. Die Rechte an ihrem Roman "Die Falle" wurden bereits vor Erscheinen international verkauft, u.a. nach Frankreich, Italien, die Niederlande, Spanien und das englischsprachige Ausland. 

Quelle: btb Verlag
 
Weitere Romane von Melanie Raabe:

 
https://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/Die-Falle_lid_25995775.html?storeID=barbers

 Rezension
  
Vielen lieben Dank an den btb Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

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